[OPR] Mostovaia: Graphische Ressourcen bei Reparaturen in der interaktionalen informellen Schriftlichkeit am Beispiel deutscher und russischer Chat- und Kurznachrichtenkommunikation

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Graphische Ressourcen bei Reparaturen in der interaktionalen informellen Schriftlichkeit am Beispiel deutscher und russischer Chat- und Kurznachrichtenkommunikation

von Irina Mostovaia

Wenn man mit dem Verfassen von SMS- und/oder WhatsApp-Nachrichten vertraut ist, kennt man das Problem: Man tippt eine Nachricht ein, schickt diese ab und stellt danach fest, dass einem aus Versehen oder wegen der aktivierten Autokorrektur ein Vertipper unterlaufen ist. In dem Fall hat man als Schreiber zwei Optionen: Entweder versucht man, diesen in einer der darauffolgenden Nachrichten zu korrigieren, oder man ignoriert ihn. Entscheidet man sich für die erste Option, führt man aus der Sicht der Konversationanalyse eine sogenannte Korrektur durch, nämlich eine selbstinitiierte Selbstkorrektur. Dabei kann die richtige Form alleinstehend in einer neuen Nachricht verschickt oder mit verbalen Floskeln wie mein ich kombiniert werden. Des Weiteren kann man auf nicht-alphabetische Zeichen wie z.B. Sternchen (= Asterisk), Plus- und Minuszeichen etc. zurückgreifen. So kann beispielsweise eine Korrektur aussehen, die mit einem Asterisk markiert wird:

Bus gleich
Nachricht #7 – 18.12.2013 – 09:27:05
*Bis
Nachricht #8 – 18.12.2013 – 09:27:30

In dem Beispiel aus der Datenbank Mobile Communication Database liegt ein Vertipper vor (Bus), der direkt danach korrigiert wird, indem die richtige Version bis mit einem davorstehenden Asterisk verschickt wird. Dabei signalisiert der Asterisk zum einen so etwas wie „Achtung! Ich beginne jetzt keine nächste Nachricht, sondern kehre zur vorherigen Nachricht zurück, um einen Teil derer zu korrigieren“, und zum anderen zeigt er an, dass das Wort Bis eines der Wörter aus der davorstehenden Nachricht ersetzen soll. Neben Vertippern, die eine Selbstkorrektur auslösen können, können im Laufe eines WhatsApp-Dialoges u.a. versehentlich falsch verwendete Wörter oder unpräzise Formulierungen interaktiv bearbeitet werden, und zwar im Rahmen von sogenannten Reparaturen, zu denen Korrekturen als Unterkategorie gezählt werden.

Eine weitere denkbare Situation beim Schreiben über WhatsApp wäre: Man bekommt eine Nachricht und kann mit deren Inhalt aber nichts anfangen. In dem Fall könnte man darauf z.B. mit Was?/Was meinst du damit? reagieren, um das Verstehensproblem zu signalisieren. Alternativ dazu könnte man lediglich ein alleinstehendes Fragezeichen verschicken, das in dem Fall die gleiche Funktion ausüben wird, nämlich das Nicht-Verstehen offenzulegen und somit eine sogenannte fremdinitiierte Selbstreparatur einzuleiten.

In dem vorliegenden Beitrag sollen verschiedene Interpunktionszeichen und Symbole beschrieben werden, die bei unterschiedlichen Reparaturtypen, von denen zwei oben bereits erwähnt wurden, eingesetzt werden. Dabei werden diese anhand russischer und deutscher SMS- und WhatsApp-Dialoge aus der Datenbank Mobile Communication Database sowie deutscher Chat-Mitschnitte aus dem Dortmunder Chat-Korpus analysiert. Dabei sollen folgende Fragen beantwortet werden: Welche Funktionen üben bestimmte Zeichen aus? Kommen die gleichen Zeichen bei Reparaturen in der deutschen SMS- und WhatsApp-Kommunikation sowie in der deutschen Chat-Kommunikation vor? Oder werden sie nur in einer Sprache oder in einer Kommunikationsform verwendet?

2 Replies to “[OPR] Mostovaia: Graphische Ressourcen bei Reparaturen in der interaktionalen informellen Schriftlichkeit am Beispiel deutscher und russischer Chat- und Kurznachrichtenkommunikation”

  1. Katharina KönigSeptember 7, 2018 at 09:05Reply

    Anlage der Studie

    Das vorliegende Diskussionspapier befasst sich mit Reparaturverfahren in der computervermittelten Kommunikation (schriftbasierte Chat-, SMS- und WhatsApp-Postings), also mit Methoden, die SchreiberInnen nutzen, um Probleme des Schreibens, Lesens und Verstehens (adaptiert nach Schegloff et al. 1977) zu lokalisieren und zu bearbeiten. Die Autorin fokussiert auf solche Reparaturen, die (u.a.) durch verschiedene typografische Ressourcen (wie ‘*’, ‘/’, ‘?’ oder ‘=’) markiert werden. Auf der Grundlage einer umfassenden Darstellung bisheriger medienlinguistischer Arbeiten untersucht Mostovaia Vorkommen solcher Marker in drei Korpora (Dortmunder Chat-Korpus, deutsche und russische WhatsApp-Nachrichten aus der Mobile Communication Database), die unter quantitativer wie qualitativer Perspektive ausgewertet werden.

    Die Studie weist Bezüge zu aktuellen Arbeiten zu Interpunktionspraktiken in der digitalen Schriftlichkeit auf (Androutsopoulos 2018; Busch 2017) und kann als innovativ eingestuft werden, da weder für das Deutsche noch das Russische exhaustive Arbeiten zu Reparaturen in der digitalen informellen Schriftlichkeit vorliegen. Die Autorin zeigt auf, dass die beschriebenen Ressourcen nicht ausschließlich in SMS- oder WhatsApp-Nachrichten vorkommen, sondern sich auf verschiedenen Plattformen wiederfinden (Androutsopoulos 2010). Typografische Reparaturmarker bilden somit eine Praktik, bei der sich NutzerInnen mediale Affordanzen für die Bearbeitung interaktionaler “Probleme” angeeignet haben (Beißwenger 2016; Herring 2013). Die Studie weist also eine hohe thematische Passung zu den Gegenständen des Journals für Medienlinguistik auf.

    Globale Diskussion

    In seiner jetzigen Form setzt der Artikel das in der Konversationsanalyse für mündliche Interaktionen entwickelte Konzept der Reparatur als bekannt voraus. Um die Spezifizität von Reparaturen unter den Bedingungen medialer Schriftlichkeit und Asynchronität bzw. Quasi-Synchronität erfassen zu können, sollte der Beitrag um ein entsprechendes Kapitel ergänzt werden, in dem sowohl die später in den Analysen verwendeten Termini (Reparandum, Reparans, Unterscheidung zwischen Initiierung und Durchführung) kurz eingeführt werden als auch Affordanzen der keyboard-to-screen-Kommunikation in ihrer Relevanz für die Realisierung von Reparaturen skizziert werden (Baker Jacobs und Garcia 2013; Meredith und Stokoe 2014). Als Reparatur kann nur untersucht werden, was im Bildschirmprotokoll als solche erkennbar gemacht wird (besonders an Beispielen (13) und (14) ablesbar, bei der das Reparandum im gleichen Posting – für bestimmte rhetorische Zwecke – nicht elidiert wird). Über kontextsensitives Revidieren (Beißwenger 2016) kann auf Basis der ausgewerteten Daten keine Aussage gemacht werden. Dieser Umstand wird zwar erwähnt, sollte aber an prominenterer Stelle diskutiert werden.

    Eine Reflexion der medialen Realisierung von Reparaturen kann zudem zu einer klareren Differenzierung der aufgefundenen Reparaturtypen beitragen. So unterscheidet sich Beispiel (16) insofern von den übrigen Belegen, als das Reparandum medial mündlich in einer Sprachnachricht verortet wird (vgl. 688-695, die Sprachnachricht ist leider nicht in der Datenbank erfasst, über den genauen Inhalt kann also nur spekuliert werden) und hier somit ein Problem des Hörens bearbeitet wird. (Ob sich Nutzerin A die Sprachnachricht ggf. mehrmals angehört hat, ist auf Basis der Logfile-Daten wiederum nicht nachvollziehbar).

    Die Zielsetzung der Untersuchung wird in der Einleitung zu allgemein formuliert. Zwar wird angegeben, dass Reparaturmarker “untersucht” (27) bzw. “ausgewertet” (529) werden sollen, jedoch nicht, unter welchen Gesichtspunkten dies geschehen soll. Es sollte also genauer herausgearbeitet werden, was das primäre Erkenntnisinteresse der Studie ist. Die folgenden Anmerkungen diesen in diesem Sinne als Anregung zu einer thematischen Konturierung:

    • In den Daten zeigt sich, dass bestimmte Marker für bestimmte Reparaturoperationen genutzt werden (etwa ‘-‘ für Löschungen, ‘=’ oder ‘*’ für Substitutionen). In Anlehnung an Pfeiffer (2017) könnte zudem auch gefragt werden, ob bestimmte Marker für bestimmte Problemquellen genutzt werden. In den untersuchten Daten scheinen orthografische Fehler eine häufige, aber nicht die einzige Problemquelle darzustellen. (Dass auch der Gebrauch von Emojis repariert werden kann, belegt etwa Pappert (2017, S. 189)).
    • Zudem sollten weitere Angaben zur Zeitlichkeit der Reparaturen gemacht werden. So könnte ausgewertet werden, wie viele Reparaturen mit welche Reparaturmarker im selben Posting oder in separaten Postings durchgeführt werden und wie groß jeweils der zeitliche Abstand zwischen Reparandum und Reparans ist (erfolgen Reparaturen überwiegend zeitnah?). Zu diskutieren wäre ebenfalls, inwiefern aufgrund der Gleichzeitigkeit der Beitragsproduktion eine abweichende Reihung von in unmittelbarer zeitlicher Folge produzierten Beiträgen vorkommen kann (so etwa bei Beispiel (27)). Die time stamps zu den einzelnen Postings können hierbei erste Indikatoren sein und sollten daher auch für das Dortmunder Chat-Korpus aufgeführt und ausgewertet werden.
    • Eine zentrale Aufgabe für die SchreiberInnen besteht darin, das Reparandum zu identifizieren, was insbesondere dann potenziell problematisch ist, wenn die Problemquelle bereits weiter zurückliegt (zeitlich oder auch text- oder sequenzstrukturell, wenn der Beitrag mit dem Reparandum bereits abgesendet wurde oder mehr lexikalisches Material innerhalb der gleichen Nachricht produziert worden ist). Teilweise wird eine explizite Identifikation des Reparandums nicht vorgenommen, sondern ist aus dem sequenziellen Kontext zu erschließen (wie etwa in Beispiel (20), bei dem der User auf seinen letzten Beitrag verweist). Die Analysen weisen bereits auf einige Strategien hin, mit denen Reparanda identifiziert werden können (Teilwiederholungen oder syntaktische frames, Beispiel (5)), könnten aber noch genauer darauf eingehen, welche Reparaturmarker zur Bearbeitung weiter zurückliegender Problemquellen genutzt werden, welche für eine unmittelbare Reparatur (vgl. Z. 222f. “Asteriske möglichst nah an dem Reparans”).
    • Gibt es in den Daten weitere typografische Ressourcen außer die in der bisherigen Forschung erwähnten, die für Reparaturzwecke eingesetzt werden können (etwa ‘~’, ‘!’, ‘#’ oder auch Emojis)? Wurden hierzu ebenfalls Korpusrecherchen durchgeführt? In Beispiel (18), Nachricht #12 sind etwa Anführungszeichen zur Markierung des (vermuteten) Reparandums zu erkennen.
    • Im Fazit könnte kurz diskutiert werden, in welchem Zusammenhang Reparaturen mit grafischen Markern und Reparaturen, die nicht typografisch abgesetzt sind, stehen. Sind typografisch markierte Reparaturen überproportional als selbstinitiierte Selbstreparaturen realisiert oder werden die anderen Reparaturen ähnlich häufig in diesem sequenziellen Format durchgeführt?

    Eine zentrale Herausforderung für die Überarbeitung des Beitrags besteht darin, die kontrastive Anlage der Studie zu motivieren. Aus der Lektüre wird nicht klar ersichtlich, warum Daten verschiedener Kommunikationsplattformen und verschiedener Sprachen miteinander abgeglichen werden und welche Konsequenzen sich aus einem solchen Vorgehen für die medienlinguistische Forschung ergeben könnten. Explizit thematisiert wird der vergleichende Ansatz erst im Fazit (vgl. 986-994).

    • Kontrast der Kommunikationsplattformen: Dieses Vorgehen kann dadurch motiviert werden, dass hier die Genese von typografischen Reparaturmarkern nachvollzogen werden kann. So kann ein mikro-diachroner Vergleich das Werden, die Dissemination und das Vergehen bestimmter Marker nachzeichnen. Die Analysen von Beispiel (12) und (13) legen etwa Übertragungen von verwandten Operationen aus Programmiersprachen nahe. Welche Praktiken können sich also aus älteren Kommunikationsplattformen übertragen haben, welche haben sich neu entwickelt oder funktional spezifiziert (Herring 2013)?
    • Alternativ könnte sich die Untersuchung auch ausschließlich auf Reparaturmarker in der Kurznachrichten-Kommunikation konzentrieren und stärker auf mögliche Einflüsse der Objektsprachen eingehen. Inwiefern haben etwa die jeweilige (Morpho-)Syntax oder orthografische Prinzipien der Einzelsprachen Einfluss auf die Platzierung oder die Form der Reparatur? Oder stellen typografische Marker sprachunabhängige Ressourcen zum Vollzug von Reparaturen dar? Da in der Studie selbst angesprochen wird, dass in WhatsApp-Dialogen mehr Reparaturen als in SMS-Dialogen vorkommen (560ff.), wäre zudem zu überlegen, inwiefern ausschließlich WhatsApp-Postings ausgewertet werden.

    Spezifische Anmerkungen

    • 139: Warum wird der Ausdruck bitte als Vergleich herangezogen? Hier sollte besser rein funktional argumentiert werden (open class repair initiator, Drew 1997).
    • 144f.: “Das implizite Sprachwissen hilft Janosch…”: Ob eine solche Interpretation von Janosch vorgenommen wird, ist an dem gegebenen Beispiel (3) nicht abzulesen, da der folgende Beitrag, in dem Janosch ein solches Verständnis dokumentieren könnte, nicht wiedergegeben wird.
    • 243ff.: Die Hypothese, dass anstelle des in Beispiel (6) verwendeten ‘+’ eigentlich ein Asterisk verwendet werden sollte, basiert auf der Annahme, dass der Schreiber eine Tastatur genutzt hat, bei der eine Taste mit beiden Zeichen belegt ist. Bei einer virtuellen Bildschirmtastatur, wie sie bei Smartphone-Messengern verwendet wird, ist eine solche Doppelbelegung nicht gegeben. Sollte in diesem Zusammenhang die hohe Anzahl der Asteriske in der WhatsApp-Kommunikation nicht verwundern? Um den Asterisken auszuwählen, müssen SchreiberInnen bei einem iPhone zunächst die Sonderzeichen-Tastatur aktivieren und dann noch auf die zweite Seite “blättern”. Die Eingabe erscheint also alles andere als zeitökonomisch. Diese Überlegungen verweisen auf die Relevanz der Eingabemodalitäten, die noch eingehender reflektiert werden könnten.
    • 478: Bei WhatsApp sind Durchstreichungen durchaus möglich (durch die Eingabe von einer Tilde vor und nach dem durchzustreichenden Text). Auch Kursivierung und Fettung sind als weitere typografische Mittel vorhanden, sind jedoch den meisten NutzerInnen nicht bekannt und werden daher ebenso wie Durchstreichungen nicht häufig genutzt. Die Eingabe von Tilden gestaltet sich zudem ebenso aufwändig wie die von Asterisken und kann daher ein weiterer Grund sein, warum diese Ressourcen nicht zum Einsatz kommen.
    • Tabelle 1: Bei der Quantifizierung der aufgefundenen Belege sollte noch einmal die Grundgesamtheit als Vergleichsgröße hinzugezogen werden.
    • 560ff.: Wie kann die These, dass in SMS-Dialogen weniger repariert wird als in WhatsApp-Dialogen, belegt werden?
    • Beispiel (16) ist ein eindrückliches Beispiel dafür, dass nicht alle Fehler (hier: orthografische Fehler) von den SchreiberInnen als reparaturbedürftig behandelt werden müssen.
    • Beispiel (25): In dem ausgewerteten Korpus sind Schrägstriche nur zweimal in der Funktion als Reparaturmarker nachgewiesen. Da diese in den aufeinander folgend angelegten Dialogen #4354 und #4355 vorkommen, wäre zu reflektieren, ob die Belege eine ideolektale Praktik der gleichen Nutzerin dokumentieren.
    • 913-918: Auch wenn die Verwendung von ‘*g*’ in Beispiel (26) funktionale Parallelen zu Verwendung von smile voice aufweist, sollten prosodische Verfahren nicht geradeheraus mit grafischen Ressourcen gleichgesetzt werden. Smile voice zeichnet sich dadurch aus, dass sie einen graduellen, redebegleitenden Kontextualisierungshinweis darstellt, während grafische Ressourcen als alleiniger Bestandteil realisiert oder prä- oder postponiert werden müssen.
    • 963: Wenn auch im zweiten Fall das Verb “markieren” genutzt wird, ist nicht ganz klar, inwiefern postponierte Ressourcen nicht auch Reparaturmarker

    Formalia

    Beispiel (16) “aber wenn es sich bei dir was ändert”

    795 “sich” löschen

    916f. smiley voice

    943 insertion sequencies

    1021 “berücksichtigt hat” löschen

    Literatur

    Androutsopoulos, Jannis (2010): Multimodal – intertextuell – heteroglossisch: Sprach-Gestalten in „Web 2.0“-Umgebungen. In: Arnulf Deppermann und Angelika Linke (Hg.): Sprache intermedial. Stimme und Schrift, Bild und Ton. Berlin: de Gruyter, S. 419–445.

    Androutsopoulos, Jannis (2018): Digitale Interpunktion: Stilistische Ressourcen und soziolinguistischer Wandel in der informellen digitalen Schriftlichkeit von Jugendlichen. In: Arne Ziegler (Hg.): Jugendsprachen. Aktuelle Perspektiven internationaler Forschung. Berlin, Boston: de Gruyter, 721-248.

    Baker Jacobs, Jennifer; Garcia, Angela Cora (2013): Repair in chat room interaction. In: Susan C. Herring, Dieter Stein und Tuija Virtanen (Hg.): Pragmatics of Computer-Mediated Communication. Berlin: de Gruyter, 565–587.

    Beißwenger, Michael (2016): Praktiken in der internetbasierten Kommunikation. In: Arnulf Deppermann, Helmuth Feilke und Angelika Linke (Hg.): Sprachliche und kommunikative Praktiken. Berlin, Boston: de Gruyter, S. 279–309.

    Busch, Florian (2017): Informelle Interpunktion? Zeichensetzung im digitalen Schreiben von Jugendlichen. In: Der Deutschunterricht (4), S. 87–91.

    Drew, Paul (1997): ‘Open’ class repair initiators in response to sequential sources of troubles in conversation. In: Journal of Pragmatics 28 (1), S. 69–101.

    Herring, Susan (2013): Discourse in web 2.0: Familiar, reconfigured, and emergent. In: Deborah Tannen und Anna Marie Trester (Hg.): Discourse 2.0. Language and New Media. Washington D.C.: Georgetown University Press, S. 1–25.

    Meredith, Joanne; Stokoe, Elizabeth (2014): Repair: Comparing Facebook ‘chat’ with spoken interaction. In: Discourse & Communication 8 (2), S. 181–207.

    Pappert, Steffen (2017): Zu kommunikativen Funktionen von Emojis in der WhatsApp-Kommunikation. In: Michael Beißwenger (Hg.): Empirische Erforschung internetbasierter Kommunikation. Berlin: de Gruyter, 175-211.

    Pfeiffer, Martin (2017): Über die Funktion der Reparaturmarker im Deutschen. In: Hardarik Blühdorn, Arnulf Deppermann, Henrike Helmer und Thomas Spranz-Fogasy (Hg.): Diskursmarker im Deutschen. Reflexionen und Analysen. Göttingen: Verlag für Gesprächsforschung, S. 259–283.

    Schegloff, Emanuel; Jefferson, Gail; Sacks, Harvey (1977): The preference for self-correction in the organization of repair in conversation. In: Language 53 (2), S. 361–382.

  2. Florence OloffSeptember 7, 2018 at 11:05Reply

    Allgemeine Anmerkungen
    Da die Zeitlichkeit des Schreibens sowie Absendens von Chat-Nachrichten in diversen Messenger-Interfaces auch häufiger Modifikationen bzw. Korrekturen von bereits gesendeten Texten erfordert, stellt die systematische Untersuchung der hierfür verwendeten Strategien ein spannendes und relevantes Untersuchungsfeld dar. Wie aus der Literaturübersicht hervorgeht, fehlt es an einem Gesamtüberblick über die Vielfalt der graphischen Ressourcen, die hierfür verwendet werden können, insbesondere auch im Deutschen und Russischen. Die graphischen Zeichen werden ausführlich dargestellt und anhand zahlreicher Beispiele aus Literatur und den ausgewählten Daten belegt.
     
    Es ergeben sich jedoch einige Fragen in Bezug auf die Motivation der Wahl der empirischen Daten sowie die teilweise etwas unscharfe bzw. nicht weiter ausgeführte Verwendung analytischer Begriffe aus der Konversationsanalyse, was jeweils an mehreren Punkten überarbeitet werden und so auch zu einer vertiefenden methodischen und methodologischen Reflexion beitragen könnte. 

    Die Übertragung der Begriffe aus der Konversationsanalyse (KA) auf die Schriftlichkeit von Chat/SMS/WA ist nicht immer ganz klar dargelegt bzw. begründet. Persönlich würde ich es bevorzugen, wenn dies explizit erwähnt würde, z.B. zu Beginn im Sinne, dass die ursprünglichen Begriffe aus der KA aufgrund der Analyse von mündlichen Gesprächen geprägt wurden und dass diese dann von der CMC-Forschung teilweise aufgegriffen und auf schriftliche Dialoge / Chats übertragen wurden. Auch scheint der direkte Vergleich zwischen mündlichen Reparaturpraktiken und dem Einsatz bestimmter Zeichen im Chat manchmal etwas zu voreilig. Es kann nicht belegt werden, dass das Fragezeichen im Chat dieselbe Handlung ausführt wie ein alleine stehendes „bitte?“ (Z. 135-140, Z. 381-384). Es gibt zunächst viele verschiedene „open class repair initiators“ (z.B. Drew 1997, Enfield et al. 2013, Oloff 2018) in der gesprochenen Sprache bzw. in der face-to-face-Interaktion, deren Funktionsweisen noch nicht vollständig erforscht sind. Egbert (1996) weist zudem darauf hin, dass „bitte?“ in der face-to-face-Interaktion oft in Zusammenhang mit fehlendem Blickkontakt steht und dessen Etablierung zur Folge hat. Daher könnte man vermuten, dass „bitte“ im Chat seltener zum Einsatz kommt sowie dass es ein anderes praktisches Problem löst als das Fragezeichen. Des Weiteren könnte eine Reparatur schriftlich theoretisch auch durch was, hä, was?, hä?, WTFusw. fremdinitiiert werden – es wäre sehr interessant zu schauen, ob hier aus Gründen der Zeitersparnis weitaus systematischer das Fragezeichen eingesetzt wird. Dies wäre natürlich eher Stoff für einen weiteren Beitrag. Aus diesem Grund könnte auch der Abschnitt 2.7 wegfallen oder stark gekürzt werden, s. auch meine weiteren Anmerkungen zum Fragezeichen in einem der folgenden Absätze.

    Die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen mündlicher und schriftlicher Kommunikation könnten zu Anfang genauer dargestellt werden – die „Produktion“ der Beiträge unterliegt nicht nur einem anderen Kommunikationskanal, sondern auch einer etwas anderen Zeitlichkeit (zumindest ausgehend von der face-to-face-Kommunikation), insbesondere aber bleiben die „Fehler“ im Chat weiterhin bestehen, sind daher theoretisch weiterhin sicht- und rezipierbar, und dies sowohl für die SchreiberInnen als auch die ChatpartnerInnen. Vielleicht ist es auch diese Archivierung/Sichtbarkeit, die die Notwendigkeit zu Reparaturpraktiken in der informellen und mediatisierten Schriftlichkeit erhöht bzw. eventuell spezifische Praktiken erforderlich macht.  

    Teilweise entstehen in Ihrem Beitrag begriffliche Unschärfen – so verwenden Sie in Z. 69-73 die Begriffe der „Korrektur“ und des „Fehlers“, der Unterschied zwischen Korrektur und Reparatur in ihrer eigenen Analyse bleibt aber unklar. Hier könnte die genaue Textstelle in Schegloff et al. 1977 zitiert werden, in der auf diese Unterscheidung eingegangen wird (z.B. dort S. 363: „The term ‚correction’ is commonly understood to refer to the replacement of an ‚error’ or ‚mistake’ by what is ‚correct’. The phenomena we are adressing, however, are neither contingent upon error, nor limited to replacement.“ – Korrektur wird hier also als eine bestimmte Art der Reparatur verstanden), und Sie könnten sich explizit dazu positionieren. Im Laufe des Textes scheinen Korrektur und Reparatur von Ihnen synonym verwendet zu werden (s. insbesondere Z. 563-571, 639-640), Sie folgen hier also nicht der ursprünglichen KA-Unterscheidung. Oder nutzen Sie den Begriff der Korrektur speziell für die Reparatur von Tippfehlern? Es ist natürlich nicht nötig, im Rahmen dieses Beitrags die Diskussion zum Unterschied Korrektur/Reparatur komplett aufzurollen, allerdings wäre eine explizite Klärung der Begrifflichkeiten sinnvoll (also warum hier Reparatur und / oder Korrektur verwendet wird und welche „phenomena“ dies für Sie umfasst, s. Schegloff et al. 1977, 2.11-2.13). 

    Soll sich die Untersuchung konsequent an den analytischen Begriffen der KA orientieren, wäre eine differenziertere Analyse möglich, d.h., die Beispiele und deren Anordnung könnten genauer die Art der Reparatursequenz, die Art der Initiierung, die Position und Form sowohl des Reparandums als auch des Reparans berücksichtigen. Denn das Fragezeichen beispielsweise ist wohl selten Reparans, sondern wird eher zur Fremdinitiierung einer Reparatur verwendet (im Sinne eines open class repair initiators, was aber im Übrigen nicht heißt, dass die Selbstreparatur automatisch dadurch „ausgelöst“ wird, s. Z. 966-967). Daher fällt das Fragezeichen aus der Liste der anderen Zeichen ein wenig heraus. Oder haben Sie Beispiele, in denen „alleine stehende Fragezeichen als Reparans fungieren“ (Z. 375-76)? Das Fragezeichen als Reparans könnte natürlich im Falle einer zu reparierenden Interpunktion zum Einsatz kommen (also z.B. 1. Nachricht: Wie geht’s!2. Nachricht: ?*?,*Wie geht’s?– wobei das Fragezeichen als alleiniges Reparans eventuell eine weitere Reparaturinitiierung erwarten lässt vom Chatpartner. Oder aber geht es um Fälle wie 1.: Wie geht’s2.: , s. auch Ihre Anmerkung Z. 535-541)? Soll es in diesem Beitrag also um alle irgendwie mit Reparaturprozessen in Verbindung stehenden Ressourcen gehen (also sowohl reparaturbegleitend als auch reparaturinitiierend) oder um reparans„nahe“ Zeichen, also spezifisch um die Reparaturmarker (s. Schema in Pfeiffer 2017: 262)?

    Mich würde zudem interessieren, warum Sie sich auf graphische Mittel bzw. Interpunktion konzentrieren, andere sprachliche Mittel (z.B. die anfangs erwähnten Häsitationsausdrücke wie „äh“ oder Metaformulierungen wie „das heißt“) jedoch nicht berücksichtigen. Kommen diese so selten vor, dass eine Analyse dieser Formen nicht relevant erscheint? Hat dies beispielsweise auch mit der eindeutigeren Identifizier- und somit Auffindbarkeit bestimmter Elemente in einem großen Datensatz zu tun? Oder wäre dies nicht vielmehr eine Möglichkeit, über den Vergleich sämtlicher „verbaler“ und „graphischer“ Reparaturmarker Genaueres über die Funktion und Verwendung der „graphischen“ Mittel zu erfahren? Da diese Arbeit ja dazu beiträgt, ein Inventar der möglichen Reparaturpraktiken (bzw. Marker?) in der CMC darzustellen, wäre hier eine kurze Anmerkung zur Beschränkung auf eine bestimmte Auswahl von Ressourcen sinnvoll. 

    Es wäre schön, zu den jeweiligen Ressourcen in 2. auch ein wenig zu ihrem Ursprung bzw. ihrer Verwendung in verschiedenen Bereichen (Wissenschaft, Typographie, Kommunikation usw.) zu lesen. Besteht vielleicht ein Zusammenhang zwischen der Funktion des Asterisks als Platzhalter in der Datenverarbeitung oder als Element zur Hervorhebung (um fett gesetzten Text anzuzeigen) und seinem Einsatz als Korrekturzeichen in der CMC? Bei Plus- und Minuszeichen wäre es interessant, inwieweit die mathematische Funktion bei den Reparaturen systematisch zum Einsatz kommt (was zum Beispiel bei 6 nicht der Fall zu sein scheint, wohl aber in 7).

    Gibt es einen Zusammenhang zwischen bestimmten Reparandumstypen und bestimmten Reparaturmarkern und -durchführungen? Werden bestimmte Zeichen insbesondere für „Vertipper“ eingesetzt, weniger aber für die Reparatur von Verständnisproblemen („Fremd-Initiierungen“)? Oder kann hier analytisch (noch) kein Zusammenhang erstellt werden? Zumindest wird aus der Literaturübersicht deutlich, dass bestimmte Ressourcen der Reparaturmarkierung auf ein hypothetisches Reparandum verweisen (2.8) und so stilistische Effekte haben (also wird hier nichts im eigentlichen Sinne repariert, sondern z.B. ein Witz gemacht). Daher könnte in diesem Abschnitt explizit erwähnt werden, dass solche „inszenierten“ Reparaturdurchführungen (Z. 425) in diesem Beitrag nicht näher untersucht werden sollen. 

    Beim Asterisk fällt auf, dass es sich eher um einzelne Buchstaben (Beispiele 1, 2) oder Wörter handelt (Beispiele 3, 4, vs. Beispiel 5, in dem mehre Wörter von zwei * eingeschlossen werden). Daher scheint der Asterisk grundsätzlich auf ein punktuelles, sehr präzises Reparandum zu verweisen (=“Tippfehler“?). Und gibt es vielleicht einen Zusammenhang zwischen der Position des Asteriks und der Art des Reparandums oder des Reparans (s. Z. 166ff)? Oder hat die Position eventuell mit der Position des Reparandums im Beitrag oder sogar im jeweiligen Wort zu tun – steht dies am Ende des Beitrags, so wird der Asterisk tendenziell nachgestellt (s. 1, 3), in der Nachricht hingegen bzw. bei einem ganzen Wort: am Anfang? Dass die Position des Asterisks rein idiosynkratrisch ist (Z. 1029-1031), kann durch die reine Präsenz unterschiedlicher Positionen nicht belegt werden. Auch frage ich mich, ob in der CMC/WA/SMS die Gleichsetzung der reparansinitialen oder -finalen Position des Markers mit der Unterscheidung „reparaturinitiierend vs. „nachträglich markierend“ sinnvoll ist (Z. 707-715). 

    Man könnte die Position der Asteriske lediglich (oder zusätzlich) auf das Reparans zu beziehen, nicht aber rein auf die Position innerhalb der „Nachricht“ (s. Z. 208-213). So ist der erste Asterisk in Beispiel 5 zwar nicht am Anfang oder Ende der Nachricht (also „nachrichtenmedial“), analytisch relevanter wäre jedoch, dass er reparansinitial steht (s. auch die Analyse von Beispiel 18, hier ist meines Erachtens nicht relevant, dass der Asterisk nachrichtenmedial steht, sondern, dass er eindeutig an ein Reparans geknüpft ist, Z. 696-703). 

    Es wird nicht ausdrücklich bzw. bereits zu Anfang erwähnt, warum sowohl russische als auch deutsche Daten herangezogen werden. Grundsätzlich finde ich dies nicht problematisch, jedoch sollte dies bereits früher im Text erläutert werden (als erst in 5., s. Z. 986-990). In 3. könnte zudem eine kurze Begründung erfolgen, was genau die Datenwahl motiviert. War das Hauptziel / eines der Ziele, zu schauen, ob die SchreiberInnen beider Sprachen graphische Zeichen verwenden (s. Z. 949-952)? Die absoluten Zahlen (Dialoge / Nachrichten) der jeweiligen Subkorpora (3.) könnten noch zusätzlich in der Tabelle 1 (4.) vermerkt werden, damit die LeserInnen die Zahlen in der Tabelle leichter in Relation zur Größe der Subkorpora setzen können.

    Warum genau werden Daten aus verschiedenen Arten der CMC verwendet (Chat/WA/SMS)? Mögliche diachrone Aspekte werden lediglich in der abschließenden Diskussion erwähnt (Z. 1007), es wäre daher gut, schon relativ früh im Text kurz auf mögliche Unterschiede einzugehen bzw. auf spätere Textstellen zu verweisen (s. später Z. 730-758), selbst wenn diese nicht ausführlich analysiert werden können und es darum geht, zunächst einen allgemeinen Überblick über sämtliche mögliche Reparaturmarker zu erstellen.  Die Art (s. auch die Hypothese in Z. 245-252) und Größe der Tastatur (Desktop vs. mobiles Endgerät, Handytastatur vs. Touchscreen) könnte bei der (Nicht-)Benutzung von Sonderzeichen bzw. deren Frequenz durchaus eine Rolle spielen, auch die Nähe zur Nutzung von programmiersprachennahen Zeichenkombinationen wäre beispielsweise eher im klassischen Chat zu vermuten als in WA (s. insbesondere Beispiele 12 u. 13). Sie machen hierzu auch eine Anmerkung in Z. 555-562 (SMS vs. WA, Zeitlichkeit des Chattens), dies könnte im Text noch ausgebaut werden.

    Spezifische Anmerkungen (teilweise in Zusammenhang mit den zuvor erwähnten Punkten)
    – Z. 165: „zuR Ordnung zu rufen“ 
    – Beispiel 10: Sind die Anführungszeichen im Original-Chat enthalten oder handelt es sich um Zitate durch Lemnitzer/Naumann 2001? Übrigens ist das Beispiel 10 interessant in Hinblick auf die Art, wie die Reparatur durchgeführt wird – sie wird nicht lediglich durch ein Zeichen markiert (hier die Klammern), sondern zudem explizit formuliert (also nicht (head), sondern ohne fvs. -foder *head / head*). 
    – Z. 270-272:„Dabei soll ein Zirkumflex darauf verweisen, dass das gepostete Reparans zu dem vorherigen Posting desselben Schreibers gehört wie in (8).“ Weist also der Zirkumflex nicht eigentlich auf den Reparaturvorgang (Reparaturmarker) an sich hin, sondern insbesondere auf die Verbindung zum vorherigen Posting?
    – 2.6: Was den Schrägstrich angeht, so ist – zumindest im Beispiel 12 – nicht der Schrägstrich alleine in Gebrauch, sondern er findet innerhalb eines Programmierbefehls Verwendung. Gibt es auch ein Beispiel, in dem der Schrägstrich alleine vorkommt?
    – Abschnitt 3.: Bei der Datenbeschreibung gerne auch nochmal auf die URL beider Datenbanken verweisen.
    – Liste der Zeichen, Z. 489-98: Hier könnte noch kurz erwähnt werden, warum hier auch das Gleichheitszeichen dabei ist, obwohl dies in 2. nicht als eigener Abschnitt erwähnt wurde bzw. eher selten zu sein scheint. Dort wird nur ein Beispiel aus der E-Mail-Kommunikation aufgeführt (Z. 433-436), in dem eine Liste erstellt wurde. 
    – Z. 520: „Im Gegensatz zu den ZUVOR/BEREITS? genannten graphischen…“ 
    – Beispiel 16: Vielleicht wird also nur retrahiert, wenn das Reparandum nicht am Ende der Nachricht steht bzw. in einer längeren Nachricht oder syntaktischen Einheit, es könnte also eher mit der „Sichtbarkeit“ oder Distanz des Reparandums zum Reparans als mit der Art des Reparandums bzw. dessen syntaktischer Einbettung an sich zu tun haben (s. auch Beispiel 17).
    – Beispiel 18: Hier ist interessant, dass das Reparandum nicht geschrieben wurde, dennoch aber mit * repariert wird. Hinweis auf die allgemeine reparaturmarkierende Funktion von * in WA? Zumindest geht es hier um keinen „Tippfehler“, daher fällt dieses Beispiel etwas heraus.
    – Z. 712-713: Bitte Seitenzahlen bei Egbert 2009 angeben.
    – Z. 704-719: Ein nachgestelltes „meinst Du“ (in Reparatur-Initiierung oder Durchführung?) mit reparansfinalem * zu vergleichen, ist vielleicht etwas zu gewagt. 
    – 759-765: Also würde der Asterisk in diesem Sinne eigentlich einen Seitenkommentar einleiten bzw. rahmen (was auch gut zu den klassischen von Asterisken gerahmten Inflektiven passen würde), woraus sich dann vielleicht speziell die Rahmung/Markierung von Reparaturen entwickelt hat?
    – 794-794: „Diese Verwendungsweise von Pluszeichen ähnelt sichdem Gebrauch des Asterisks“
    – 794-800: Das Pluszeichen markiert – zumindest in diesem Beispiel 21 – eine Ergänzung, das Minuszeichen eine Tilgung. Insofern sind diese Zeichen spezifischer als der Asterisk bzw. dieser kann sowohl eine Ergänzung als auch ein Ersetzen markieren, ist also universeller einsetzbar, wie mir scheint, was dessen Erfolg (gegenüber +/-) erklären könnte. 
    – Beispiel 25: Hier sieht man gut, dass eine größere Distanz zwischen Reparans und Reparandum eine explizitere Reparatur erforderlich zu machen scheint (mit Wiederaufnahme des Reparandums, s. auch Beispiel 26).
    – 913-918: Die smiley voice in der f-t-f-Interaktion zielt auf eine affiliative Antwort des Gegenübers ab (Lächeln/ Lachen). Ich finde es zu vereinfachend, direkte Parallelen zwischen der hörbaren smiley voice und einem *g* zu ziehen.
    – 943: insertion sequencies 
    – 1008-1009: die Verwendung einzelner graphischer Zeichen

    Literaturhinweise
    Drew, P., 1997. ‘‘Open’’ class repair initiators in response to sequential sources of troubles in conversation. Journal of Pragmatics28: 69-101.
    Enfield, N.J., Dingemanse, M., Baranova, J., Blythe, J., Brown, P., et al., 2013. Huh? What? — a first survey in twenty-one languages. In: Hayashi, M., Raymond, G., Sidnell, J. (Eds.), Conversational Repair and Human Understanding.Cambridge University Press, Cambridge/New York/Melbourne: 343-380.
    Oloff, F. (2018). “Sorry?” / “Como?” / “Was?” – Open class and embodied repair initiators in international workplace interactions. Journal of Pragmatics126: 29-51.
    Pfeiffer, M. (2017). Über die Funktion der Reparaturmarker im Deutschen. In: Blühdorn, H.; Deppermann, A.; Helmer, H.; Spranz-Fogasy, T. (eds.), Diskursmarker im DeutschenReflexionen und Analysen. Göttingen, Verlag für Gesprächsforschung: 259-283.

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