[OPR] Czulo/Nyhuis/Weyell: Der Einfluss extremistischer Gewaltereignisse auf das Framing von Extremismus in Online-Medien

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Der Einfluss extremistischer Gewaltereignisse auf das Framing von Extremismus in Online-Medien

von Oliver Czulo, Dominic Nyhuis und Adam Weyell

Spätestens seit den Anschlägen auf das World Trade Center am 11. September 2001 ist der Extremismus wieder weit oben auf der politischen Agenda angesiedelt. Dies gilt aber nicht zu jeder Zeit und nicht für alle Spielarten des Extremismus gleichermaßen. Extremismen werden, so die Ausgangsthese in diesem Beitrag, nicht nur unterschiedlich häufig besprochen, sondern auch verschieden konzeptualisiert und somit mit unterschiedlichen Handlungslogiken verknüpft.

Im vorliegenden Beitrag untersuchen wir die Darstellung des Rechtsextremismus, des Linksextremismus und des Islamismus im medial-öffentlichen Diskurs am Beispiel von SPIEGEL Online, einem der deutschen Leitmedien. Wir leiten vier zentrale Dimensionen zur Konzeptualisierung von Extremismen her: Ideologischer Unterbau, Herkunft der Akteure, Stellung zur Gesellschaft und Typische Handlungen. Wir beobachten die Entwicklung der Darstellung der Extremismen an potenziellen Bruchpunkten: Untersucht wird das assoziative Framing der Extremismen vor und nach einem prominenten extremismusbezogenen Gewaltereignis, namentlich 9/11, der Veröffentlichung des NSU-Skandals und den linksextremistischen Aktivitäten während des G20-Gipfels.

Zusammengefasst lässt sich beobachten, dass das Framing von Linksextremismus und Islamismus rund um diese Ereignisse im Großen und Ganzen stabil bleiben: Insbesondere auf dem Gebiet der typischen Handlungen, wo beide klar mit Gewalthandeln assoziiert werden. Die Belegung der vier genannten Dimensionen muss also zu einem früheren Zeitpunkt erfolgt sein und sich dann stabilisiert haben. Den deutlichsten Bruch können wir beim Rechtsextremismus beobachten: Wird er vor Veröffentlichung des NSU-Skandals nicht sichtbar mit Gewalthandeln assoziiert, so tritt dies nach dem NSU-Skandal deutlich zu Tage. Auch werden von der Gesellschaft abgesonderte Gruppen nicht mehr nur mit Linksextremismus und Islamismus assoziiert.

Im Anschluss gleichen wir das zu beobachtende mediale Framing punktuell mit der Konzeptualisierung des Verfassungsschutzes ab. Hier zeigt sich ein Verzögerungseffekt: Gewalthandeln und das verborgene Agieren rechtsextremistischer Gruppierungen werden in der Definition nicht wiedergespiegelt. Hiervon leitet sich die Anschlussfrage für zukünftige Forschung ab, inwiefern institutionelle Handlungslogik, hier des Verfassungschutzes, von dieser unterschiedlichen Konzeptualisierung tatsächlich beeinflusst wird.

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