[OPR] König: Narratives 2.0

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This submission is a contribution to the special issue “Public, private, and anonymous mobile media practices”.

Discussion Paper (PDF)

Blogstract zu

Narratives 2.0. A multi-dimensional approach to semi-public storytelling in WhatsApp voice messages

von Katharina König

Storytelling has become an almost indispensable part of social media communication. Linguistic practices of storytelling are both afforded and shaped by the design of social media platforms, the choice of different posting formats and the variety of semiotic resources users have at their disposal. While the growing number of studies of social media storytelling reflects the prominence of narrative formats in computer-mediated discourse (De Fina/Perrino 2017; Hoffmann 2010; Georgakopoulou 2017b; Page 2018), the full range of reconstructive genres of everyday mediatised communication has not been covered, yet.

First, many of these studies deal with public storytelling, that is, stories which can be accessed by larger and oftentimes anonymous publics. However, there are only few accounts of how users relate personal experiences in smaller groups or dyadic constellations in which participants know each other well and engage in various social activities in their offline lives. Second, most studies look at narrative formats which do not form part of an ongoing dialogic exchange. Although these stories can trigger comments and other reactions, they are often posted on platforms or sites which are not predominantly designed for continuous, conversational messaging. Narratives which are embedded in sequentially organised quasi-synchronous dialogues (in messengers like WhatsApp, WeChat, Signal and the like) still have to be researched. Third, even though it is generally acknowledged that social media narratives are multimodal in nature, research has mainly focussed on “visual narratives”, that is, aggregates of images or videos with written or text-based postings or posting components. Digital narratives in which both visual and audible postings are integrated in one continuous string of discourse have yet to be analysed.

The aim of the present paper is to expand the emerging field of digital narratology by presenting a study of narratives in voice messages in WhatsApp group chats. It contributes to research on social media storytelling in that it focusses on stories of personal experience which are

  • narrated to well-defined non-anonymous publics in mobile messaging,
  • embedded in a communication platform which favours a continuous dialogic exchange,
  • multimodal (comprised of visual and audible posting types).

The study develops a multidimensional perspective that can capture the various facets of social media storytelling. It shows that Ochs and Capps’ (2001) account of everyday oral storytelling, with its dimensions of tellability, tellership, embeddedness, linearity and moral stance, are applicable to the analysis of digitised narratives in multimodal messenger dialogues. However, the analysis also shows that a focus on these five dimensions does not cover all the aspects which are relevant for characterising and distinguishing the different narrative configurations in social media storytelling. It is argued that the model should be expanded to include the additional dimensions of publicness (range of users who have access to the story, modes of audience participation), multimodality (choice of different semiotic resources used for telling the story) and sequencing (expansion and sequential design of the story posting(s)) to work out the characteristics of social media storytelling more adequately. The analyses show that the prototype of storytelling in WhatsApp group chats is based on recent personal experiences; it is related by a single teller as an initial, sequentially non-embedded and linearly organised “big package” story (in a single voice message sometimes introduced by a text message containing an abstract); other group members routinely document their evaluative stances in rather conventionalised text message responses in the semi-public group space.

4 Replies to “[OPR] König: Narratives 2.0”

  1. Tabea BeckerJuly 19, 2019 at 12:22Reply

    Originalität und Innovativität
    Das paper ist in dem Forschungsgebiet der „digital narratology“ angesiedelt. Dabei handelt es sich um ein aktuelles Forschungsfeld. Im Fokus stehen Erzählungen innerhalb von WhatsApp Gruppenchats. Die Verfasserin analysiert, welche semiotischen Ressourcen die Anwender nutzen, um persönliche Erfahrungen in ihren Interaktionen wiederzugeben. Mit diesem Fokus erschließt die Verfasserin nicht nur ein relativ neues Forschungsfeld (multimodale digital gestützte Kommunikation in sozialen Medien), sondern sie nutzt auch aktuelle Zugänge, die sie originell auf das Datenmaterial adaptiert und so das bestehende Forschungsparadigma erweitert.
     
    Angemessenheit und Umsetzung der Methoden
    Methodisch wird ein gesprächsanalytischer Ansatz gewählt. Das in der Erzählforschung mittlerweile recht verbreitete Beschreibungsmodell von Ochs & Capps (2001) wird von der Verfasserin um drei weitere Dimensionen ergänzt, um Spezifika der Social Media Erzählungen gerecht zu werden. Diese Erweiterung ist sehr gut begründet und in der Analyse konsequent umgesetzt und nachvollziehbar. Das erweiterte Modell wird in der Analyse überprüft und abschließend bewertet.
     
    Plausibilität und Stringenz der Argumentation
    [Dies erfolgt in einer engen Anbindung an die Daten, die zwar nur eher exemplarisch zwei Interaktionsverläufe umfassen, aber durchaus substantiiert die Argumentation stützen.
     
    Beitragsstruktur und sprachliche Form
    Bezüglich Struktur und sprachlicher Qualität gibt es keine Beanstandungen.
     
    RESÜMEE
    Es handelt sich insgesamt um einen stringent argumentiert, anschaulichen und gut lesbaren Beitrag, der gewinnbringende neue Zugänge eröffnet.
    Lediglich als Anregung für die Stringenz der Leserführung sei Folgendes angemerkt:
    Die Darstellung des ja als Kontinuum gedacht Modells von Ochs und Capps (Zeile 143-163) liest sich recht „binär“. Die vor dem Hintergrund social media dargestellten Dimensionen (Zeile 182-222) könnten vielleicht noch abschließend in Bezug auf prototypische Erzählungen qualifiziert und eingeordnet werden.
     
    ABSCHLIEẞENDES URTEIL
    [x] Beitrag annehmen
    [ ] Überarbeitung erforderlich
    [ ] Erneut zur Begutachtung einreichen
    [ ] Anderswo erneut einreichen
    [ ] Beitrag ablehnen
    [ ] Siehe Kommentare
     

  2. RedaktionJuly 23, 2019 at 11:05Reply

    Gutachten von Theresa Heyd

    Empfehlung: Beitrag annehmen

    Dies ist ein überaus solider und gelungener Artikel, den ich zur Annahme mit kleinen Überarbeitungen vorschlage. Inhalt, Methodik und analytischer Ansatz greifen sehr schlüssig ineinander, ud die Orientierung an einem Polymedia-Ansatz verleiht der etwas auserzählten (pun intended) Thematik digital narratives einen interessanten Anstrich und neue Relevanz. Ich habe lediglich zwei kleinere Hinweise:

    S. 1, Z. 25/26: “First, many of these studies deal with public storytelling” -> das stimmt zwar bis zu einem gewissen Grad, aber der Aspekt des off-the-record storytelling ist meiner Erinnerung nach beim small-stories-Paradigma schon mitbedacht, spätestens in den neueren Arbeiten von Georgakopoulou und anderen explizit untersucht. Vielleicht könnte man diese Positionierung etwas abschwächen – es nimmt der Qualität der hier vorgestellten Studie nichts weg, wenn man den Fokus auf privates Erzählen nicht als etwas Neues, sondern bereits in der Forschung verankertes darstellt.

    Sektion 4: Ich fände es gut, wenn der Methodenteil (Z. 407ff.) etwas ausührlicher wäre. Wie genau wurden die Daten erhoben, wie wurde mit Informed Consent umgegangen, wie wurden die Nutzer*innen ausgewählt, wie wurden die hier verwendeten Exzerpte augewählt, etc.? Es wird zwar in der Fußnote auf die Projektseite verwiesen, aber im Sinne der Lesbarkeit und dauerhaften Verständlichkeit würde ich hier eine Überarbeitung von Sektion 4 vorschlagen.

  3. Katharina KönigAugust 18, 2019 at 12:09Reply

    ANTWORT Gutachten Tabea Becker

    Vielen Dank für das Gutachten und die Überarbeitungshinweise bezüglich der Darstellung des dimensionalen Modells von Ochs/Capps (2001) und der Prototypizität von Erzählungen in den sozialen Medien.

    Ich habe das zweite Kapitel dahingehend überarbeitet, dass
    a) deutlicher wird, dass die narrativen Dimensionen tellability, tellership, embeddedness, linearity und moral stance verschiedentlich ausgestaltet sein können, auch wenn sie sich (zumeist) zwischen zwei Endpunkten auf dem jeweiligen Dimensionskontinuum bewegen.

    b) die prototypische Ausgestaltung von Erzählungen in sozialen Medien wie Facebook, Twitter oder YouTube expliziert wird. Im Anschluss an diesen Befund aus der bisherigen Forschung soll der Blick für weitere Formen des Erzählens geöffnet werden, die sich in anderen Kommunikationskontexten – wie eben WhatsApp-Gruppenchats – finden.

  4. Katharina KönigAugust 18, 2019 at 12:10Reply

    ANTWORT Gutachten Theresa Heyd

    Vielen Dank für das Gutachten und die Überarbeitungshinweise bezüglich der Darstellung der Reichweite bisheriger Studien zu Erzählen in den sozialen Medien (1) und der methodischen Anlage der Studie (2).
    Zu (1): Auch wenn ich mit dem Gutachten darin übereinstimme, dass in den aktuellen Studien von Georgakopoulou zum Ausdruck kommt, dass das small stories-Paradigma auf die Untersuchung von narrativen Kleinstformaten in Offline- und Online- Gemeinschaften zugeschnitten ist, möchte ich mit dem vorliegenden Beitrag auf einen bias in der Forschungslage hinweisen. Im Gros wurden Erzählaktivitäten bislang für solche Plattformen untersucht, die größeren und nicht immer klar umgrenzbaren Nutzergruppen zugänglich sind (Twitter, YouTube, Facebook). Zu Erzählaktivitäten im Rahmen einer in ihrer Reichweite beschränkteren und kontrollierteren Kommunikationskonstellation, wie sie etwa in WhatsApp-Gruppenchats gegeben ist, liegen hingegen kaum Befunde vor. Ich habe die Formulierung des Ansatzes der Studie dahingehend angepasst, dass sie nun expliziter auf diese Unterschiede eingeht.
    Zu (2): Zu Beginn des vierten Kapitels werden nun ausführlichere Hinweise zu den Methoden der Datenerhebung, – aufbereitung und -auswahl gegeben.  

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