[OPR] König/Oloff: Mobile Medienpraktiken im Spannungsfeld von Anonymität, Öffentlichkeit und Privatheit

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Diese Einreichung ist ein Beitrag zum Themenheft “Mobile Medienpraktiken im Spannungsfeld von Anonymität, Öffentlichkeit und Privatheit”.

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Mobile Medienpraktiken im Spannungsfeld von Anonymität, Öffentlichkeit und Privatheit

von Katharina König und Florence Oloff

Der vorliegende Beitrag verfolgt das Ziel, Privatheit, Öffentlichkeit und Anonymität als medienlinguistische Beschreibungsdimensionen zu konturieren, die nicht schlicht durch die sich entwickelnden Technologien oder Kommunikationsformen vorgegeben sind, sondern von den NutzerInnen ausgedeutet und insbesondere in der Interaktion in und mit mobilen Medien hergestellt werden. Der Beitrag bietet einen Überblick über die Erforschung mobiler Medienpraktiken, in dem die relevante und zugleich problematische Abgrenzung von Öffentlichkeit, Privatheit und Anonymität herausgestellt wird. Im Fokus stehen dabei zwei bisher überwiegend getrennt untersuchte Bereiche mobiler Kommunikation: Einerseits der Gebrauch persönlicher mobiler Endgeräte im öffentlichen Raum, andererseits die mobile Kommunikation privater Inhalte in den sozialen Medien.

Lag in den Anfängen der Verbreitung mobiler Geräte noch deren öffentlich sichtbare Handhabung und die Aushandlung verschiedener Kommunikationsräume bzw. deren Störungen im Mittelpunkt des wissenschaftlichen Interesses, so verschob sich die Perspektive – zeitgleich mit einer Vervielfältigung der Trägermedien, Netzwerke und Applikationen – immer mehr hin zu einem Fokus auf digital hergestellte, versendete und veröffentlichte Kommunikate.

Der Beitrag führt analytische Ansätze aus beiden Forschungsfeldern zusammen und reflektiert daher Ergebnisse aus soziologisch-ethnographischen, (interaktions)linguistischen sowie medienwissenschaftlichen Untersuchungen in Bezug auf Praktiken der Herstellung von Öffentlichkeit, Privatheit und Anonymität. Sowohl on- als auch offline wird eine zunehmende Vermischung von „öffentlichem“ und „privatem“ Handeln festgestellt, sodass wiederholt konstatiert wird, dass sich die scheinbar ausschließenden Kategorien zunehmend vermischen und ihre Grenzen verwischen (Abschnitt 1.).  Abschnitt 2 gibt zunächst einem Überblick zu Studien, die sich mit der „privaten“ Kommunikation mit Mobiltelefonen im öffentlichen Raum befassen. Abschnitt 3 reflektiert den Einfluss mobiler Medien auf die zunehmende Veröffentlichung privater Inhalte in sozialen Medien. Am Beispiel neuer mediatisierter Praktiken im Umgang mit Krankheit, Tod, Trauer und persönlichen Streitigkeiten zeigt sich zwar, dass das Smartphone in bislang nicht zugängliche Bereiche Einzug hält, gleichzeitig aber auch verschiedene Praktiken der Anonymisierung zum Einsatz kommen, die die Identifizierbarkeit von Personen zumindest in Teilen regulieren.

Abschnitt 4 konzentriert sich daher anschließend auf Beispiele multimodal-kommunikativer mediatisierter Praktiken, mit denen Öffentlichkeit, Privatheit sowie Anonymität bzw. Identifizierbarkeit von den NutzerInnen hergestellt werden. Zeit- und ortsungebundene Kommunikationsmöglichkeiten sind nicht per se „privat“ oder „öffentlich“, sondern werden von den NutzerInnen entsprechend gerahmt. So kann Privatheit beim mobilen Telefongespräch durch die Einnahme bestimmter Körperhaltungen geschaffen werden, durch Mimik und Gestik aber auch Beistehenden zugänglich gemacht werden. Beiträge in sozialen Medien können durch Zugangseinstellungen oder spezifische in-group-adressierte Kommentare „privatisiert“ oder „öffentlicher“ werden. Diese vielfältigen Praktiken zeigen also keine Auflösung der Kategorien Öffentlichkeit, Privatheit oder Anonymität auf, sondern illustrieren, wie diese auf neue Weise situativ verhandelt und gegeneinander abgegrenzt werden. Somit fordert dieser Beitrag abschließend (5.) zu einer medienlinguistischen Heuristik auf, die kommunikative Praktiken zu ihrem Gegenstand macht, mit denen Privatheit bzw. Nicht-Privatheit im (nicht/semi)-öffentlichen Austausch in und mit mobilen Medien kontextualisiert wird.

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