[OPR] Jaki: “This is simplified to the point of banality”. Social-Media-Kommentare zu Gestaltungsweisen von TV-Dokus

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“This is simplified to the point of banality”. Social-Media-Kommentare zu Gestaltungsweisen von TV-Dokus

von Sylvia Jaki

Wer am Sonntagabend um 19:30 das Fernsehgerät im Kanal ZDF einschaltet, den erwartet mit der Sendereihe Terra X ein breites Angebot an Dokumentationen zu vielen Themengebieten, zum Beispiel Geschichte, Technik oder Natur. Es handelt sich dabei um ein hybrides Format, sogenanntes Dokutainment (vgl. Glaser/Garsoffky/Schwan 2012), da hier Wissen vermittelt werden soll, dies aber auf unterhaltsame Weise. Um diese beiden Ziele, die bisweilen in einem Spannungsverhältnis zueinanderstehen, erfolgreich umzusetzen, nutzen die Produzent*innen von TV-Dokus verschiedene Gestaltungsstrategien der Vereinfachung, aber insbesondere auch der Emotionalisierung und Dramatisierung (vgl. Burger/Luginbühl 2014: 364-369). Gerade Letztere werden häufig nicht unkritisch gesehen, sondern als Verflachung fachlicher Inhalte kritisiert. Andererseits suggeriert der Erfolg von langjährigen Sendereihen wie Terra X im deutschen, Nova im amerikanischen und Horizon im britischen Raum, dass die Zuschauer*innen gerade diese Kombination aus Informationsvermittlung und Unterhaltsamkeit schätzen. Rezeptionsstudien der Fernsehsender selbst, aber auch aus der universitären Forschung, versuchen, der Frage, was aus Zuschauer*innensicht eine gute Sendung ausmacht, nachzugehen (vgl. z.B. Aron 2014; Kemmitt Smith 2007; Meyen/Pfaff 2006).

Diese Untersuchung möchte zur Rezeptionsforschung zu TV-Dokus einen Beitrag leisten, indem sie nicht mit einer gezielten Befragung oder einem experimentellen Setting arbeitet, sondern mit Aussagen, die die Zuschauer*innen in einem „natürlichen“ Kommunikationsumfeld tätigen, und zwar in den sozialen Medien Facebook und YouTube, in denen Teile der Dokus oder die Dokus als Ganze hochgeladen und dann kommentiert werden können.

Auf der Basis einer Vor- und einer Hauptuntersuchung, für die deutsche und englische Kommentare ausgewertet wurden, wurden folgende Erkenntnisse gewonnen: Die User*innen bezogen sich auf zahlreiche Aspekte der jeweiligen Dokus (z.B. Inhalt, Thema, Gesamteindruck), aber nicht sehr oft auf deren Gestaltungsmerkmale. Wenn auf die Gestaltungsmerkmale eingegangen wurde, dann insbesondere im Falle imposanter Aufnahmen und lauter Hintergrundmusik – weniger im Bereich sprachlicher Merkmale. Häufig wurde auch lobend auf die Kombination aus Wissensvermittlung und spannender Aufbereitung eingegangen, wenngleich kritische Rückmeldungen generell etwas üblicher als positive waren und Inhalt (und damit die Bewertungen) als auch Form der Kommentare insgesamt sehr heterogen waren.

Literatur

Aron, Danielle B. (2014): Production and Reception in British Television Documentary: A Genre-Based Analysis of Mass-Mediated Communication. London School of Economics and Political Science: Dissertation. URL: http://etheses.lse.ac.uk/2866/

Burger, Harald/Luginbühl, Martin (2014): Mediensprache. Eine Einführung in Sprache und Kommunikationsformen der Massenmedien. 4. Aufl. Berlin/Boston: de Gruyter. DOI: 10.1515/9783110285925

Glaser, Manuela/Garsoffky, Bärbel/Schwan, Stephan (2012): What do we learn from docutainment? Processing hybrid television documentaries. In: Learning and Instruction 22, 37–46. DOI: 10.1016/j.learninstruc.2011.05.006

Kemmitt Smith, Jason (2007): Political Ecology in Large-Format Films: Analyzing Environmental Representation & Audience Reception of Imax Nature Documentaries. Florida State University: Dissertation. URL: https://diginole.lib.fsu.edu/islandora/object/fsu:168484/datastream/PDF/view

Meyen, Michael/Pfaff, Senta (2006): Rezeption von Geschichte im Fernsehen. In: Media Perspektiven 2/2006, 102–106. URL: https://www.ard-werbung.de/media-perspektiven/fachzeitschrift/2006/artikel/rezeption-von-geschichte-im-fernsehen/

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