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Podcast als Medium zwischen Nähe und Distanz. Technologische Grundlagen, Interaktion und sprachwissenschaftliche Chancen
von Veronika Sahlbach
Podcasts sind längst kein mediales Nischenphänomen mehr, sondern im Alltag vieler Nutzer:innen als feste Bestandteile verankert. In ihrer unglaublichen Gestaltungs- und Themenvielfalt begleiten sie im Alltag Situationen wie das Pendeln im Auto, Aufräumen oder Kochen zu Hause oder das Entspannen am Abend auf der Couch (Bitkom 2023). Zugang bieten mittlerweile große Streamingdienste, weswegen über das Smartphone und Kopfhörer Podcasts jederzeit abgespielt werden können. Der Reiz des Mediums liegt aber nicht nur in der niederschwelligen Zugänglichkeit, vielmehr bieten Podcasts eine ganz eigene Medienform. Nutzer:innen sprechen von emotionalen und sozialen Nutzen, einer ganz eigenen Nähe, die das Hören erzeugt (Planer/Godulla 2022). Zwischen Host und Hörer:in entsteht eine ganz eigene Beziehung, die rein auditiv und ohne tatsächlichen Dialog aufgebaut wird, was das Medium charakterisiert.
Der Beitrag setzt sich das Ziel, Podcasts als potenziellen linguistischen Gegenstand aufzugreifen. Dazu wird der Gegenstand definiert und mediengeschichtlich eingeordnet, um anschließend eine mögliche Beschreibung und Kategorisierung der thematischen Vielfalt vorzustellen sowie das besondere Verhältnis von Produktion und Rezeption und die daraus entstehende Nähe zu erschließen.
Podcasts sind ursprünglich als offene, niederschwellige Publikation konzipiert. Jede Person mit Internetzugang konnte und kann Inhalte über den sogenannten RSS-Feed verbreiten (Rime/Pike/Collins 2022). Aus diesem individuellen und technisch partizipativen Medium hat sich über die letzten 25 Jahre ein hochdifferenzierter Markt entwickelt (Katzenberger/Keil/Wild 2022), in dem professionelle Produktionen unterschiedlicher Anbieter und private Formate nebeneinander existieren.
Ausgehend von quantitativen Erhebungen zeichnet der Artikel die Profile der Hörer:innen nach. So zeigen die Erhebungen, dass meist junge, hochgebildete Menschen regelmäßig Podcast konsumieren, meist unterwegs oder Tätigkeiten, die allein ausgeführt werden (Bayerische Landeszentrale für neue Medien et al. 2024). Dabei gilt zu beachten, dass Podcasts dabei kein Lückenfüllmedium sind, sondern spezifische Bedarfe der Rezipient:innen erfüllen (Chan-Olmsted/Wang 2022). Je nach inhaltlicher und gestalterischer Ausrichtung bieten sie neben reiner informativer Funktion unter anderem Unterhaltungswert und emotionale Begleitung im Alltag.
Der Aufsatz arbeitet besonders die besondere Stellung dieser alltäglichen Nähe heraus. Hörer:innen erleben ein Gefühl von Vertrautheit während des Rezipierens, das unter anderen über Erzählstrategien erreicht wird. Das besondere Storytelling schafft eine besondere Verbindung zwischen Host und Hörenden, die über die Inhalte hinausgehen (Planer/Godulla 2022). Daneben ist das Hören über Kopfhörer ein besonders intimes Erlebnis, was durch die äußeren privaten Hörsituationen wie Entspannen, Aufräumen oder Pendeln eine besondere Nähe erzeugt (Spinelli/Dann 2019). Damit schaffen Podcasts eine kommunikative Intimität im öffentlichen Raum.
Der Beitrag versteht Podcasts als Beispiel für digitale Mündlichkeit. Im Spannungsverhältnis von Nähe und Distanz, Spontanität und Redaktion, Privatheit und Öffentlichkeit ergeben sich einige Potenziale für sprachwissenschaftliche Untersuchungen. Sie fordern bestehende Modelle von Mündlichkeit, Medialität und Interaktion heraus und eröffnen neue Perspektiven für verschiedenste Untersuchungen, wie der Beitrag herausarbeitet.
Literatur
Bayerische Landeszentrale für neue Medien, (BLM)/Bundesverband Digitale Wirtschaft, (BVDW)/Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg, (LFK)/Medienanstalt Berlin-Brandenburg, (mabb)/Radio Marketing Service, (RMS)/Verband Privater Medien, (vaunet) (2024): ONLINE-AUDIO-MONITOR 2024. mindline media. https://www.online-audio-monitor.de/wp-content/uploads/Bericht-OAM_2024.pdf.
Bitkom (2023): In welchen der folgenden Situationen hören Sie zumindest hin und wieder Podcasts? In: Statista, URL: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/876497/umfrage/nutzung-von-podcasts-nach-situationen-in-deutschland/.
Chan-Olmsted, Sylvia/Wang, Rang (2022): Understanding podcast users: Consumption motives and behaviors. In: New Media & Society 24 (3), 684–704. DOI: 10.1177/1461444820963776.
Katzenberger, Vera/Keil, Jana/Wild, Michael (2022): Mehr als die Summe seiner Teile: Entwicklung, Forschungsstand und Definition von Podcasts. In: Katzenberger, Vera/Keil, Jana/Wild, Michael (Hg.): Podcasts: Perspektiven und Potenziale eines digitalen Mediums. Wiesbaden: Springer Fachmedien, 1–19. DOI: 10.1007/978-3-658-38712-9_1.
Planer, Rosanna/Godulla, Alexander (2022): Storytelling in Podcasts deutscher Medienhäuser: Echte Interaktion, geplante Spontanität. In: Katzenberger, Vera/Keil, Jana/Wild, Michael (Hg.): Podcasts. Perspektiven und Potenziale eines digitalen Mediums.Wiesbaden: Springer VS, 101–118. DOI: 10.1007/978-3-658-38712-9_5.
Rime, Jemily/Pike, Chris/Collins, Tom (2022): What is a podcast? Considering innovations in podcasting through the six-tensions framework. In: Convergence 28 (5), 1260–1282. DOI: 10.1177/13548565221104444.
Spinelli, Martin/Dann, Lance (2019): Podcasting. The Audio Media Revolution. New York: Bloomsbury Academic.

Der Artikel verspricht in der Überschrift die Untersuchung von Podcastkommunikation unter den Gesichtspunkten von ‚Nähe und ‚Distanz‘, mit der die Spezifik von Podcasts aus sprachwissenschaftlicher Sicht erfasst werden soll. Die von der Autorin gewählte Themenstellung spricht die u.a. von Söll (1974) bzw. Koch und Österreicher (1985) für die (historische) Soziolinguistik angeregten Konzepte zur Unterscheidung kommunikativer Strategien angesprochen, mit denen konzeptionelle und mediale Mündlichkeit und Schriftlichkeit realisiert werden. In dieser Hinsicht kann die Autorin sich in fruchtbarer Form der Rezeption und Anwendung der genannten Kategorien anschließen, die bislang immer wieder erfolgreich für die linguistische Untersuchung neuer Kommunikationsformen (für einen Überblick siehe z.B. Dürscheid 2005, 2023) angewendet wurden. Aufgrund dieser hier nur kurz angesprochenen Traditionen der linguistischen Analysen von Kommunikation in unterschiedlichen Medien und Kommunikationsformen ruft die Überschrift bestimmte Erwartungen auf. In der jeweiligen Lektüre der drei gutachtenden Personen ergeben sich jedoch Erwartungsbrüche, die uns dazu veranlassen, der Empfehlung zu einer major revision Ausdruck zu verleihen. Im Sinne einer Ermutigung sollen im Folgenden die aus unserer Sicht relevanten Aspekte einer möglichen Überarbeitung aufgezeigt werden.
Nach unserer Einschätzung wäre es für die Weiterentwicklung des Beitrags hilfreich oder zielführend, insgesamt die Stringenz des Textes und damit seine die Verständlichkeit zu verbessern. Eine klarere Schwerpunktsetzung sowie eine stärkere Einbindung der Analysen in den Gesamtkontext würden aus unserer Sicht die Nachvollziehbarkeit der Argumentation erheblich fördern. Dabei könnten die Beispielanalysen entweder besser in die vorangegangenen Ausführungen eingebettet werden und wesentliche Punkte aus den zuvor angeführten Bestimmungen exemplifizieren. Eine zweite Möglichkeit bestünde darin, die in den Beispielanalysen herangeführten Bezüge zum übergeordneten Thema des Artikels, Nähe und Distanz, in den vorangestellten Ausführungen prominenter vorzubereiten. In der den Gutachtenden zur Verfügung stehenden Version stehen generelle Ausführungen und Analysen wenig verbunden nebeneinander.
Mit Blick auf die Analysen der präsentierten und miteinander verglichenen Podcastausschnitte wäre es zu dem angebracht, explizite Hinweise zu den verwendeten Transkriptionsverfahren und zur Funktion der qualitativen Analyse zu geben. Auf diese Weise ließe sich die die methodische Transparenz erhöhen und die Nachvollziehbarkeit der Ergebnisse sichern. Insgesamt halten wir es für sinnvoll, den „grundlegenden Zugang“ zum Medium Podcasts noch systematischer und konsistenter zu gestalten, um die Argumentation zu stärken und den Beitrag in seiner wissenschaftlichen Tiefe weiter auszubauen.
So könnte hilfreich sein, den Stellenwert von Podcasts im aktuellen Medienspektrum stärker zu belegen, beispielsweise durch Hinweise auf Studien oder Statistiken, die die unterstellte Unterrepräsentation belegen oder relativieren (Z. 37). Grundsätzlich sollte im gesamten Artikel auf die vagen statistischen Bezüge zugunsten konkreter Zahlen (und Belege) verzichtet werden.
Weitere Aspekte:
Terminologische Präzision:
Der Begriff „mündlich geprägtes Kommunikationsformat“ könnte durch eine genauere Abgrenzung, etwa gegenüber Medienformaten, noch präziser gefasst werden, um Missverständnisse zu vermeiden (S. 2). Daneben bleibt auch der vielfach verwendete Begriff des ‚Mediums‘ undefiniert, wodurch Unklarheiten nicht ausgeräumt werden können, wodurch sich der Informationsgehalt der wohl zentralen Aussage, dass „Podcasts weg von der Datenform hin zum Medium beschrieben werden [sollen]“ (Z. 120f.) nicht richtig fassen lässt. Insgesamt könnten mehrere Passagen wissenschaftlich angemessener und gleichzeitig expliziter formuliert werden (bspw. „Schnell entwuchs das Medium seiner Blase und kam im Mainstream an“, Z. 83f., „immer wieder neue Höhenflüge“, Z. 90).
Unterscheidung von Audio- und Videopodcasts sowie der Aufnahmesettings:
Die Differenzierung zwischen Audio- und Videopodcasts ist zentral, da beide Formate unterschiedliche Eigenschaften und Konsequenzen für die linguistische Analyse mit sich bringen. Leider fehlt diese Unterscheidung komplett. Eine kurze Darstellung dieser Unterschiede sowie ihrer Relevanz für die Untersuchung könnte den Argumentationsrahmen bereichern (vgl. Kap. 2). Da auch die Aufnahmesettings von Podcasts stark variieren, wäre eine explizite Erwähnung verschiedener Konstellationen – wie Face-to-Face, Audiocall, Videocall, mit oder ohne Publikum, live oder aufgezeichnet – zielführend, um die Vielfalt des Untersuchungsgegenstands besser zu erfassen (vgl. Kap. 2). Gleichzeitig könnten in diesem Zusammenhang wiederkehrende Podcastssettings benannt werden, wie konstante Personenkonstellationen, Podcastmoderator*in und Gäst*innen, Einzelpersonen gegenüber größeren Podcastrunden.
Anwendung linguistischer Kategorien:
Die Übernahme primär schriftsprachlicher Kategorien, beispielsweise aus der Textlinguistik, ist ein interessanter Ansatz. Für eine noch tiefere Reflexion könnten kurze Kommentare oder Einordnungen zu diesem Vorgehen hilfreich sein, etwa im Hinblick auf Vorstrukturierung oder andere relevante Aspekte (vgl. Kap. 3).
Erweiterung des Gesprächskontexts:
Bisher liegt der Fokus für die Untersuchung von Nähe und Distanz ausschließlich auf der Beziehung zwischen Sprecher*innen und Publikum. Das Konzept ließe sich auch auf die Beziehung von Sprecher*innen untereinander beziehen, gleichzeitig ließe sich die Frage stellen, ob oder inwiefern die Beziehung der Sprecher*innen das Nähe-Distanz-Verhältnis zum Publikum beeinflussen könnte (vgl. Kap. 3). Der Artikel erweckt den Anschein, dass die Sprecher*innen bzw. Podcaster*innen als einheitliche Gruppe gegenüber ihrem Publikum agieren, was vor dem Hintergrund der Varianz hinsichtlich Aufnahmesettings und -konstellationen zumindest reflektiert betrachtet werden sollte.
Insgesamt teilen alle Gutachtenden die Einschätzung, dass durch eine Verbesserung der Stringenz und eine Anpassung der Schwerpunktsetzung ein ausgewogener Artikel entstehen kann, der hinsichtlich seines Themas eine eindeutige Daseinsberechtigung hat und als Einstiegsbeitrag einen Mehrwert für die Auseinandersetzung mit Podcasts schaffen kann.
Dürscheid, Christia (2005) Medien, Kommunikationsformen, kommunikative Gattungen. In: Linguistik online 22,1, 1-16.
Dürscheid, Christa (2023) Deutsch im Fokus. Sprachdidaktik, Internetkommunikation, Grammatik. Berlin: Frank & Timme.
Koch, Peter & Österreicher, Wulf (1985) Sprache der Nähe – Sprache der Distanz. Mündlichkeit und Schriftlichkeit im Spannungsfeld von Sprachtheorie und Sprachgeschichte. In: Romanistisches Jahrbuch 36, 15-43.
Söll, Ludwig (1974) Gesprochenes und geschriebenes Französisch. Berlin: Schmidt.
Empfehlung: Überarbeitung (major revisions)
Veronika Sahlbach Beitrag versteht sich als „grundlegender Zugang zum Medium Podcast aus einer medienlinguistischen Perspektive“ (Z. 38-40). Wie die Autorin überzeugend darlegt, verfolgt der Artikel damit vor dem Hintergrund bestehender Zugänge einen innovativen Ansatz, um Podcasts im Bereich der Linguistik im Allgemeinen und im Bereich der Medienlinguisitk im Speziellen analytisch nutzbar zu machen. Ebenso eindrucksvoll wird durch die Einlassungen der Autorin, wie vielfältig die Anknüpfungspunkte für medienlinguistisch orientierte Forschung sind. Es handelt sich um einen Aufsatz, der sich dem Thema definitorisch nähert, folglich also nicht um eine empirische Studie, und zeigt, welche Möglichkeiten und Herausforderungen Podcasts aufgrund ihrer spezifischen Digitalität für die medienlinguistische Analyse bieten. Der Beitrag eignet sich damit thematisch ausgezeichnet zur Publikation im Journal für Medienlingu
istik.Allerdings weist der Beitrag im Bereich der Umsetzung (inhaltliche Durchdringung des Themas, Argumentationsstruktur, sprachliche Form) einige Schwächen auf, die im Folgenden näher ausgeführt werden. Der Artikel würde daher von einer gründlichen Überarbeitung profitieren, um ihn auf ein wissenschaftliches Niveau zu heben, das der ausgesprochenen Originalität seines Ansatzes gerecht wird. Die Autorin wird ausdrücklich emuntert, den Artikel in überarbeiteter Form zu publizieren.
Inhaltliche Durchdringung/Darlegung der Inhalte:
Die größte Schwierigkeit einer gelungenden inhaltlichen Gestaltung des Artikels liegt sicherlich darin, die Waage zu halten zwischen einem möglichst breiten Überblick verschiedenster möglicher Analysewege und einer angemessen tiefgehenden Auseinandersetzung mit dem Thema. Dies stellt keine leichte Aufgabe dar, und genau hier wäre eine inhaltliche Nachbearbeitung sicherlich gewinnbringend. So werden verschiedene interessante Aspekte wie die Analyse der Kommunikationskreise oder die Einordnung zwischen Nähe- und Distanzsprache zwar angeschnitten, jedoch nur recht vage ausgeführt. Dies ist ausreichend an Stellen, an denen damit ein ausreichend transparenter Einblick gegeben wird, aber beispielsweise bei der Darstellung von Nähe- vs. Distanzsprache fehlen wichtige Argumentationsschritte. So wären Koch/Oesterreicher selbst mit einer Einordnung von Podcasts auf der Distanzseite alleine ohne Verweis auf den gewissen Grad konzeptioneller Mündlichkeit, der das Format zwischen Nähe- und Distanzsprache einordnet, wahrscheinlich nicht einverstanden (Z. 581-598). Auch in der Darstellung der Adressierungsformen nach Kühn (1995) wird relativ abstrakt auf Podcasts referiert, ohne dies genauer zu begründen, z.B. „Mit verschiedenen sprachlichen Möglichkeiten der direkten sprachlichen Adressierung […] unterscheiden sie sich von den indirekten Formen durch die Implizitheit der Ansprache (Ansprache von Allokutionspartner [sic])“ (Z. 395-399). Bei den Ausführungen im Bereich der Diskurslinguistik fällt es ohne diskurslinguistische Vorkenntnisse vermutlich ebenfalls schwer, der vagen Argumentation zu folgen (Z. 634-659). Die Frage ist überdies, ob die Ansatze eklektisch ausgewählt wurden, oder ob die medienlinguistische Analyse anderer auditiver Formate hier als Vorbild genommen wurde. Was in der Betrachtung möglicher Anknüpfungspunkte für die sprachwissenschaftliche Analyse von Podcasts in jedem Fall noch fehlt, sind die bislang durchaus vorhandenen konverstationslinguistischen Analysen, insbesondere im Bereich der Wissenspodcasts (Bührig 2024, Leander 2020).
Ein Punkt, der die argumentative Kraft des Artikels erhöhen würde, wäre eine sauberere Quellenarbeit. Wenngleich die Autorin sich die Mühe macht, Quellen aus verschiedensten Bereichen zusammenzutragen, sind die einzelnen Textstellen nicht lückenlos den verwendeten Quellen zuzuordnen. Dies trifft beispielsweise auf folgende Stellen zu:
– 88-90, Z. 184-186, Z. 442-452, Z. 689-Z. 693
– Tabelle 1: Hier fragt man sich, woher die Inhalte der gesamten Tabelle stammen. Selbst wenn es sich um eine eigene Darstellung handelt, müsste diese in einem wissenschaftlichen Aufsatz doch in irgend einer Weise aus der Lektüre von Fachliteratur entstanden sein.
– Dasselbe gilt für die vorgestellte Definition (Z. 106-115), die ebenfalls auf der Grundlage anderer Definitionen bzw. in der Abgrenzung zu ihnen oder auf der Basis empirischer Arbeit enstanden sein muss. Sollte es sich um das Ergebnis des Beitrags handeln, stellt sich wiederum die Frage, warum diese Passage als Vorannahme präsentiert wird. Dieser Aspekt sollte auch bei der Strukturierung des Artikels berücksichtigt werden (s. auch nächster Punkt: argumentative Stringenz).
Wenngleich kein Beitrag die gesamte Forschungsliteratur zum Thema vorstellen kann, erwartet man von einem Überblicksbeitrag, der nicht empirisch ausgerichtet ist, eine besonders gründliche Quellenarbeit.
Struktur/Argumentative Stringenz
Der Text weist zahlreiche Redundanzen auf, zum Beispiel im Bereich der geschichtlichen Ausprägung von Podcasts (Z. 140f), zur inhaltlichen Bandbreite (Z. 457-459) oder zur Niederschwelligkeit von Podcasts (Z. 470). An anderen Stellen ist die Argumentation nicht sehr verständlich. Bspw. ist in Z. 195 die Rede von Koenig – um wen es sich handelt, wird jedoch erst später (Z. 201) aufgelöst. In Z. 473-481 laufen die Zeitschienen heute vs. früher durcheinander. Unklar ist m.E. auch, welchem Zweck die Gliederung der Podcast-Angebote bei Spotify (Z. 247) dienen soll und warum die Prozentzahlen zu Sender und Empfänger in einem medienlinguistisch ausgerichteten Beitrag sinnvoll sind. All dies kann im Rahmen des vorgestellten Beitrags durchaus seine Berechtigung haben, aber die Leser*innen müssten hier mehr an die Hand genommen werden. Mit anderen Worten: Das Warum der Textstrukturierung müsste an einigen Stellen deutlicher hervortreten, entweder durch Umstrukturierung oder durch Explizierung, damit nicht der Eindruck entsteht, der Beitrag verliere bisweilen seinen Fokus. Die Präsentation der beiden Fallbeispiele erfolgt relativ abrupt und wird nicht motiviert. Überdies wären genauere Informationen zu den Podcasts sinnvoll gewesen. Auch wirft die relativ oberflächliche Behandlung der Beispiele die Frage auf, warum diese relativ langen Transkripte vollständig in den Fließtext integriert werden mussten. Im Fazit wird dann ein neuer Begriff, mediale Hybridität (Z. 795) eingeführt, aber nicht weiter ausgeführt.
Form
Die sprachliche Qualitiät des Artikels ist heterogen. Während die Einleitung Ansatz und Aufbau des Beitrags transparent und leichtfüßig darstellt, wirken andere Passagen an manchen Stellen sprachlich etwas unbeholfen und könnten in Bezug auf ihre Wissenschaftssprachlichkeit verbessert werden (z.B. „Dementsprechend sind die ersten Podcaster aus der Tech-Szene, Z. 140f). Überdies würde der Artikel von einer gründlichen Relektüre profitieren, da sich zahlreiche Fehler im Manuskript befinden, die einer zu wenig umfangreichen Endredaktion geschuldet sind, sich aber im Überarbeitungsprozess schnell beheben lassen werden (z.B. „schuf sie ein neues Format, dass viele spätere Podcasts beeinflussten“, Z. 199f). Hierzu gehören beispielsweise Unstimmigkeiten im Bereich der Inkongruenz (z.B. „die Möglichkeit des mobilen Nutzen“, Z. 86f) oder im Satzbau. An weiteren Stellen wirkt die sprachliche Ausformulierung hülsenhaft und zu vage. Häufig werden wohlklingende Formulierungen mit drei Komponenten eingesetzt (z.B. „einzigartige Verbindung von Mündlichkeit, medialer Asynchronitat und dialogischer Offenheit“, Z. 735-737, „zwischen journalistischer Information, persönlichem Gespräch und digitaler Öffentlichkeit“, S. 798-800), die sich wiederholen und in dieser Häufigkeit ohne weitere Ausführung nicht stichhaltig genug sind. Der Autorin wird daher empfohlen, an einigen Stellen den Grad der textuellen Konkretheit zu erhöhen.
Die Autorin sollte überdies die verwendeten Tabellen und Abbildungen auch im Text konkret benennen (also z.B. „Abb. 1“). Abbildung 3 müsste in eine lesbare Form gebracht oder gelöscht werden, was aus meiner Sicht vertretbar wäre.
Zitierte Literatur
Bührig, K. (2024): „Wissenschaft hat ein eiskaltes Händchen“: Zu einigen Dimensionen der Identitätskonstruktion von Wissenschaft im NDR-Podcast Coronavirus-Update. Zeitschrift für Literaturwissenschaft und Linguistik 54, 559-581. https://doi.org/10.1007/s41244-024-00345-2
Leander, L. (2020): „Wissenschaft im Gespräch: Wissensvermittlung und -aushandlung in Podcasts“. kommunikation @ gesellschaft 21(2), 1-24. https://doi.org/10.15460/kommges.2020.21.2.621