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Blogstract zu
ChatGPT and Me. Eine multimodale Diskursanalyse von Memes über KI-gestützte Wissenspraktiken in der Hochschulbildung
von Minyue Wu
ChatGPT and Me – Eine Meme-Analyse der 115 Internet-Memes über KI an der Uni
Generative Künstliche Intelligenz (GenKI) wie ChatGPT gewinnt zunehmend an Aufmerksamkeit und wird in verschiedenen gesellschaftlichen Kontexten diskutiert und eingesetzt. Besonders intensiv wird der Einsatz im Bildungsbereich thematisiert. Wer beteiligt sich an die Diskussion? Wie prägt ChatGPT den Studienalltag? Und wie wird der durch GenKI geprägte Studienalltag wahrgenommen? Die vorliegende Studie gibt einen Einblick in die Fragestellungen, indem der spezifischen Meme-Diskurs anhand von 115 Internet-Memes analysiert wurde.
Internet-Meme als Zugang: Warum die Internetkultur ernst genommen werden sollte
Memes sind längst mehr als nur lustige und sinnlose Bilder, die schnell im Internet verbreitet werden. Bereits haben zahlreiche Studien belegt, dass Memes gesellschaftliche Diskurse widerspiegeln und auf humorvolle Weise Meinungen und Haltungen bzw. Identitäten zum Ausdruck bringen. Die Arbeit betrachtet die digitale Kommunikationsform als Forschungsmaterialien, die Zugang verschaffen, wie der GenKI gestützte Studienalltag im Internet thematisiert wird.
Rollen formen Perspektiven
Die Analyse zeigt auf, dass ChatGPT Studium auf vielfältige Weise beeinflusst: Wie die Studierenden Lektüren lesen, wie sie die Hausarbeiten schreiben, wie sie lernen oder recherchieren.
Die Einstellungen zur Nutzung von ChatGPT variieren dabei je nach Rolle: Studierende bzw. Doktorand:innen sind oft begeistert von den Leistungen der KI und sie als ein Tool anerkannt, das bei verschiedenen Aktivitäten im Studium hilft. Die Memes spiegeln in vielen Fällen Erleichterung und Vertrauen gegenüber ChatGPT wider. Im Vergleich dazu vertreten Lehrende bzw. Gutachter:innen eine ablehnende Haltung bzw. Nutzungsverbot zu ChatGPT und fragen kritisch im Hinblick auf die akademische Integrität und den Kompetenzverlust bei den Studierenden nach. Dazu werden Maßnahmen zur Prävention in Memes dargestellt, etwa KI-Detektoren oder der Einsatz analoger Prüfungsformate.
Studien- und Wissenskultur in KI-Ära
KI verändert nicht nur, wie Wissen produziert und vermittelt wird, sondern auch, wie es legitimiert wird. Die traditionellen Rollen von Lehrenden und Lernenden werden durch die Integration von KI im Lehren und Lernen herausgefordert. Ergebnisse weisen auf die Notwendigkeit hin, Kompetenz zum Umgang mit KI zu entwickeln und vertieft über das Lehr-Lern-Verhältnis, die automatisierten Wissenspraktiken und den Kompetenzverlust zu diskutieren und zu reflektieren.
Reflexion der Studie: Memes als Forschungsdaten?
Die Studie belegt, dass Internet-Memes als Daten zur Diskursanalyse geeignet sind. Sie bieten umfassende Einblicke in gesellschaftliche Debatten und können Stimmungen aus vielschichtigen Perspektiven einfangen, die in formellen Befragungen möglicherweise nicht so deutlich würden. Allerdings sind auch Einschränkungen zu beachten: Memes transportieren oft oberflächliche oder polarisierte Meinungen, und ihre bildlichen Elemente sind häufig mehrdeutig. Für zukünftige Forschung ist es daher sinnvoll, weitere Textsorten und Datenquellen einzubeziehen.

Gutachten zu
Minyue Wu
Chat GPT and Me. Eine multimodale Diskursanalyse von Memes über KI-gestützte Wissenspraktiken in der Hochschulbildung
Begutachtet durch Andreas Osterroth
Empfehlung: Annahme mit Überarbeitungen (minor revisions)
Der Beitrag behandelt ein aktuelles und interessantes Thema, das gut zur jmfl passt. Die Verbindung von Internet-Memes, generativer KI und hochschulischen Wissenspraktiken ist innovativ und kann interessante, neue Erkenntnisse bringen. Die Theorie ist gut aufgearbeitet und der Beitrag wirkt von Anfang bis Ende durchdacht und plausibel. In der aktuellen Fassung ist er allerdings noch nicht ganz publikationsreif.
Zunächst einmal sollte begrifflich nachgeschärft werden, da Memes an verschiedenen Stellen ganz unterschiedlich verstanden werden. Einmal als Artefakte, dann als Kommunikationsformen und zudem als diskursive Praktiken. Diese Ebenen sollten sinnvoll getrennt werden. So kann man Memes als (Sprache-Bild-)Texte verstehen und Memeing/Memen als Praktik. Dies würde die Analyse und auch die Beschreibung der Beispiele erleichtern.
Weiter würde der Methodenteil von einigen Ergänzungen und Klarstellungen profitieren. So wäre es wichtig zu wissen, inwiefern die ausgewählten Beispiele das Gesamtkorpus repräsentieren. Hier wäre es hilfreich, wenn eine quantitative Übersicht gegeben werden würde. Auf diese kann sich der Text dann auch beziehen. Momentan steht oft, dass bestimmte Memes “häufig” vorkommen, Lesende wissen allerdings nicht, was das genau bedeutet. Eine kurze Übersicht würde die Argumentation deutlich stützen.
Eine weitere Ergänzung betrifft die Bildquellen. Es ist zwar korrekt, dass die tatsächlich Urhebenden nicht ermittelt werden können, dennoch sollte aus rechtlicher Sicht für den Verlag unbedingt eine Bildquelle in Form einer aktuellen URL angegeben werden.
Sprachlich gibt es nur kleinere Änderungen, die im Review-Worddokument nachvollziehbar sind. Dort wurden zudem etwas ausführlichere Kommentare untergebracht.
Der Beitrag schwankt zwischen minor und major Revisions, da zwar nur wenige Änderungen notwendig sind, diese aber wichtig erscheinen. Insgesamt würde ich den Beitrag zur Annahme mit minor Revisions empfehlen. Er sollte allerdings keinesfalls ohne die Angabe der Bildquellen veröffentlicht werden und eher nicht ohne die Ergänzung der quantitativen Analyse.
Gutachten zu
Minyue Wu
Chat GPT and Me. Eine multimodale Diskursanalyse von Memes über KI-gestützte Wissenspraktiken in der Hochschulbildung
Begutachtet durch Lars Bülow
Empfehlung: Annahme mit grundlegender Überarbeitungen (mayor revisions)
Sehr geehrte Frau Wu,
mit Interesse habe ich Ihren Beitrag gelesen. Im nachfolgenden Gutachten möchte ich auf einzelne Punkte genauer eingehen.
PASSUNG IN DIE ZEITSCHRIFT
[ja]
Originalität und Innovativität
Der Beitrag greift mit dem Diskurs um KI bzw. ChatGPT im Kontext der Hochschulbildung ein aktuelles und gesellschaftliche relevantes Thema auf. Der Zugriff auf das Thema mittels Memes kann als innovativ gelten, der konzeptionelle und methodische Zugang hingegen nicht.
Der Beitrag schließt an bestehende Forschung an und analysiert Internet-Memes als multimodale Metaphern, Metonymien und Vergleiche. Fokussiert werden Memes, die sich „auf ChatGPT im Kontext der Hochschulbildung beziehen“ (Z. 73f.). Tatsächlich werden aber auch Memes in die Analyse eingebunden, die KI bzw. AI in der Hochschulbildung allgemein adressieren. Die Analysen werden auf das Framekonzept der kognitiven Linguistik zurückgeführt, wobei besonders auf die Arbeiten von Fillmore (1982) und Ziem (2008) verwiesen wird. Memes werden dementsprechend als „kognitive Artefakte“ eingeführt, „die bestehende Wissensstrukturen in Form von Frames aktivieren und zugleich rekonfigurieren (vgl. Ziem 2008)“ (Z. 45-47) [wobei der Verweis auf Ziem 2008 im Kontext der Meme-Definition nicht passt].
Übergeordnetes „Ziel der Studie ist es, herauszuarbeiten, wie KI-gestützte Wissenspraktiken im Meme-Diskursstrang gerahmt und bewertet werden.“ (Z. 75-77) Von einem Meme-Diskursstrang auszugehen, erscheint mir dabei nicht passend, da in Memes ganz unterschiedliche Diskurse verhandelt werden. Vermutlich ist der KI-Diskurs im Kontext der Hochschulbildung gemeint, das müsste aber klarer formuliert werden.
In der Studie soll dabei zwischen zwei Akteursgruppen unterschieden werden: Studierenden und Lehrenden.
„Leitende Fragestellungen sind: Welche Wissenspraktiken werden in Memes thematisiert? Wie werden „ChatGPT“, das sprechende bzw. beteiligte Subjekt (z.B. „me“ oder eine bestimmte Gruppe wie „student“) und die Relation, in der sie zueinanderstehen, konstruiert? Welche Einstelllungen der unterschiedlichen Akteursgruppen werden sichtbar?“ (Z. 77-83)
Leider erschließt sich mir aus den Ausführungen nur sehr bedingt, was unter Wissenspraktiken zu verstehen ist. Der Begriff sollte besser eingeführt und hergeleitet werden. Wünschenswert wäre auch, eine explizitere und deutlichere Verknüpfung der konkreten Forschungsfragen.
Als Methode wird die „multimodale Diskursanalyse“ (Z. 84-85) angegeben. Leider wird dabei nicht explizit auf eine Forschungstradition innerhalb der Diskursforschung verwiesen. Ich empfehle, dies nachzuholen.
Angemessenheit und Umsetzung der Methoden
Methodisch bleibt der Beitrag in mehreren zentralen Punkten deutlich hinter einer guten Beantwortung der Forschungsfragen zurück. Zwar wird ein dreistufiges Vorgehen aus Datenerhebung, Aufbereitung und Analyse skizziert, die methodischen Entscheidungen werden jedoch nicht ausreichend operationalisiert. Dies betrifft bereits zum Beispiel die Korpuszusammenstellung: Wenn das Material gezielt über thematisch einschlägige Suchbegriffe erhoben wird, ist nur schwer nachvollziehbar, nach welchen Maßstäben später ein erheblicher Teil der Funde wegen „geringer Relevanz“ (Z. 366f) ausgeschlossen wird; ebenso bleibt die behauptete Datensättigung unbegründet, da weder ihr Eintreten noch ihre Kriterien expliziert werden. Insgesamt entsteht dadurch der Eindruck eines stark vorstrukturierten, aber nur unzureichend reflektierten Sampling-Prozesses.
Auch die Auswertung überzeugt methodisch nur begrenzt. Die Zuordnung einzelner Phänomene zu Metapher, Metonymie, Vergleich, Frame oder Einstellungsdimension wirkt an mehreren Stellen eher behauptet als systematisch hergeleitet; insbesondere bleibt oft unklar, woran genau die jeweiligen Kategorien festgemacht werden und wie zwischen Beobachtung und Interpretation unterschieden wird. Dadurch werden Deutungen teilweise überdehnt, etwa wenn aus einzelnen sprachlichen Markern oder visuellen Details relativ weitreichende Schlüsse über Akteursrollen, Haltungen oder Wissenspraktiken gezogen werden. Das betrifft zum Beispiel die Ausführungen zu Beispiel 5 und Beispiel 8. Auch die Zuordnung zu Wissenspraktiken und Frames bleibt weitestgehend unbegründet. Hinzu kommen begriffliche Unschärfen. Zum Beispiel wird nicht immer sauber zwischen ChatGPT und allgemeinen Bewertungen von KI unterschieden.
Ich empfehle daher, die Auswahlkriterien, Kategorienbildung, analytische Trennschärfe und Plausibilisierung der Interpretationen deutlich zu präzisieren, damit die Ergebnisse belastbar erscheinen.
Plausibilität und Stringenz der Argumentation
Die Grundargumentation des Beitrags ist in weiten Teilen plausibel aufgebaut und folgt einer klar erkennbaren Logik von konzeptioneller Rahmung, methodischer Fundamentierung (auch wenn diese nur teilweise gelungen ist) sowie Beschreibung und Diskussion der Ergebnisse.
Die qualitativen Analysen der Sprache-Bild-Zusammenhänge sind weitestgehend überzeugend. Sie zeigen anschaulich, wie sich die Bedeutungen von Memes gerade aus dem Zusammenspiel beider Modalitäten entfalten. Gerade dort, wo konkrete Beispiele eng am Material erläutert werden, wirken die Deutungen nachvollziehbar und interpretatorisch tragfähig. An Stringenz verliert der Beitrag allerdings stellenweise dort, wo aus Einzelbeobachtungen relativ weitreichende Schlüsse über Frames, Wissenskonstellationen, Akteurspositionen oder allgemeine Tendenzen des Diskursstrangs gezogen werden, ohne dass die Zwischenschritte der Argumentation immer hinreichend expliziert werden. Insgesamt ist die Argumentation somit überzeugend angelegt und materialnah entwickelt, müsste aber noch begrifflich geschärft und in ihren Generalisierungen stärker abgesichert werden.
Ich empfehle außerdem, den verwendeten Textbegriff zu reflektieren und nachzuschärfen. Text wird hier implizit mit geschriebener Sprache geleichgesetzt, wobei es aus meiner Sicht sinnvoll wäre, die multimodale Meme-Adaption bzw. das singuläre Meme-Artefakt als Bestandteil des Korpus als multimodalen Text zu fassen. Die sprachlichen Elemente sollten auch als solche in ihrer geschriebensprachlichen Modalität benannt werden.
Des Weiteren rege ich an, die Verwendung des Meme-Begriffs stärker zu reflektieren. Memes zeichnen sich durch Imitations- und Adaptionsprozesse aus; besprochen werden in dem Beitrag aber immer nur einzelne Adaptionen oder Artefakte.
Beitragsstruktur und sprachliche Form
Die Struktur des Beitrags ist für eine empirische Analyse angemessen. Die sprachliche Form muss stellenweise stark überarbeitet werden. Der Beitrag enthält viele stilistische Unsauberkeiten und grammatische Fehler.
RESÜMEE
Insgesamt greift der Beitrag ein aktuelles Thema und für die Zeitschrift durchaus passendes Forschungsziel auf. Positiv fallen die qualitativen Analysen der Sprache-Bild-Zusammenhänge auf, die an vielen Stellen nachvollziehbar und interpretatorisch gut begründet sind. Gleichzeitig zeigt sich aber auch, dass der Beitrag in zentralen Punkten noch Überarbeitungsbedarf hat, vor allem bei der konzeptuellen Grundlegung, der begrifflichen Schärfung, der methodischen Ausarbeitung und der Absicherung weitergehender Schlussfolgerungen. Insbesondere die Korpuszusammenstellung, die Herleitung der Kategorien und einige Generalisierungen sollten präziser und transparenter ausgeführt werden. Insgesamt sehe ich im Beitrag also durchaus Potenzial, in der vorliegenden Fassung jedoch noch keine Publikationsreife, sondern eher eine gute Grundlage für eine gründliche Überarbeitung und erneute Einreichung.
ABSCHLIEẞENDES URTEIL
[ ] Beitrag annehmen
[ ] Überarbeitung erforderlich
[x] Erneut zur Begutachtung einreichen
[ ] Anderswo erneut einreichen
[ ] Beitrag ablehnen
[ ] Siehe Kommentare
Mit den besten Grüßen
Ihr Lars Bülow.
Sehr geehrter Herr Osterroth,
vielen Dank für Ihr Gutachten und die hilfreichen Überarbeitungsvorschläge. Die Überarbeitung des Beitrags auf Grundlage Ihrer Anmerkungen ist im Wesentlichen abgeschlossen; letzte Feinabstimmungen werden im Rahmen der vorgesehenen Überarbeitungsfrist vorgenommen. Nachfolgend gehe ich auf Ihre Anmerkungen im Einzelnen ein.
Zunächst einmal sollte begrifflich nachgeschärft werden, da Memes an verschiedenen Stellen ganz unterschiedlich verstanden werden. Einmal als Artefakte, dann als Kommunikationsformen und zudem als diskursive Praktiken. Diese Ebenen sollten sinnvoll getrennt werden. So kann man Memes als (Sprache-Bild-)Texte verstehen und Memeing/Memen als Praktik. Dies würde die Analyse und auch die Beschreibung der Beispiele erleichtern.
Antwort: Vielen Dank für Ihren Hinweis. In der überarbeiteten Fassung wurde in der Einleitung eine begriffliche Differenzierung vorgenommen: Das einzelne Meme wird als multimodaler Sprache-Bild-Text gefasst, dessen Bedeutung im Prozess kollektiver Semiose hervorgebracht wird, während Memeing als kommunikative Praktik der Produktion, Adaption und Verbreitung verstanden wird. Zudem wurde explizit am Anfang des Forschungsdesigns (Kap. 3) klargestellt, dass der Forschungsstand sich auf die diskursive Bedeutung von Memeing-Praktiken bezieht, während die vorliegende Analyse auf einzelne Meme-Artefakte als multimodale Texte fokussiert, die als Ergebnis von Memeing-Prozessen entstehen. In der Diskussion wurde entsprechend auf die Grenzen der Studie hingewiesen, das Potenzial einer vertieften Untersuchung von Memeing als sozialer Praktik wurde als Perspektive für zukünftige Forschung aufgezeigt.
Weiter würde der Methodenteil von einigen Ergänzungen und Klarstellungen profitieren. So wäre es wichtig zu wissen, inwiefern die ausgewählten Beispiele das Gesamtkorpus repräsentieren. Hier wäre es hilfreich, wenn eine quantitative Übersicht gegeben werden würde. Auf diese kann sich der Text dann auch beziehen. Momentan steht oft, dass bestimmte Memes “häufig” vorkommen, Lesende wissen allerdings nicht, was das genau bedeutet. Eine kurze Übersicht würde die Argumentation deutlich stützen.
Antwort: Im Zuge der Überarbeitung wurde das Datenmaterial erneut vollständig überprüft. Zur besseren Einordnung der Analyse wurden quantitative Übersichten zu den Akteursgruppen, Wissenspraktiken und Einstellungsframes ergänzt. Die Frame-Übersicht wurde im analytischen Vorgehen (Kap. 3.3) aufgenommen; eine Übersicht der Wissenspraktiken und eine Kreuztabelle der Frame-Verteilung nach Akteursgruppe wurden dem Anhang beigefügt. Darüber hinaus wurde der Methodenteil (Kap. 3) erweitert, indem das Vorgehen des Analyseprozesses klargestellt und die Kriterien für die Kategorisierung der Wissenspraktiken und Einstellungsdimensionen ausführlicher erläutert werden. In Kap. 4 wurden Aussagen über die Häufigkeit bestimmter Frames durch konkrete Zahlenangaben belegt und damit für Lesende transparent gemacht.
Eine weitere Ergänzung betrifft die Bildquellen. Es ist zwar korrekt, dass die tatsächlich Urhebenden nicht ermittelt werden können, dennoch sollte aus rechtlicher Sicht für den Verlag unbedingt eine Bildquelle in Form einer aktuellen URL angegeben werden.
Antwort: Vielen Dank für diesen Hinweis. Die Bildquellen wurden entsprechend ergänzt.
Sprachlich gibt es nur kleinere Änderungen, die im Review-Worddokument nachvollziehbar sind. Dort wurden zudem etwas ausführlichere Kommentare untergebracht.
Antwort: Vielen Dank für Ihre Kommentare. Die sprachliche Überarbeitung erfolgt auf Grundlage der im Gutachten genannten Hinweise und wird durch eine muttersprachliche Durchsicht ergänzt.
Ich danke Ihnen nochmals herzlich für Ihre sorgfältige Begutachtung und die wertvollen Hinweise, die zur Überarbeitung des Beitrags beigetragen haben.
Mit freundlichen Grüßen
Minyue Wu
Sehr geehrter Herr Bülow,
vielen Dank für Ihr sorgfältiges Gutachten und die hilfreichen Überarbeitungsvorschläge. Die Überarbeitung des Beitrags auf Grundlage Ihrer Anmerkungen ist im Wesentlichen abgeschlossen; letzte Feinabstimmungen werden im Rahmen der vorgesehenen Überarbeitungsfrist vorgenommen. Nachfolgend gehe ich auf Ihre Anmerkungen im Einzelnen ein.
Der Beitrag greift mit dem Diskurs um KI bzw. ChatGPT im Kontext der Hochschulbildung ein aktuelles und gesellschaftliche relevantes Thema auf. Der Zugriff auf das Thema mittels Memes kann als innovativ gelten, der konzeptionelle und methodische Zugang hingegen nicht.
Der Beitrag schließt an bestehende Forschung an und analysiert Internet-Memes als multimodale Metaphern, Metonymien und Vergleiche. Fokussiert werden Memes, die sich „auf ChatGPT im Kontext der Hochschulbildung beziehen“ (Z. 73f.). Tatsächlich werden aber auch Memes in die Analyse eingebunden, die KI bzw. AI in der Hochschulbildung allgemein adressieren.
Antwort: Vielen Dank für diesen wichtigen Hinweis. In der überarbeiteten Fassung wurde in der Einleitung deutlicher erläutert, dass ChatGPT als konkrete Anwendung von GenKI den öffentlichen Diskurs im Untersuchungszeitraum maßgeblich geprägt hat: „ChatGPT“ wurde dabei häufig metonymisch als Bezeichnung für KI bzw. GenKI insgesamt verwendet. Vor diesem Hintergrund umfasst das Korpus auch Memes, deren sprachliche Bezüge allgemeiner auf KI im Hochschulkontext verweisen. Im Methodenkapitel (Kap. 3) wird zudem erläutert, warum in der Suchanfrage gezielt „ChatGPT“ als Suchbegriff verwendet wurde. In der Ergebnisdarstellung (Kap. 4) wird terminologisch zwischen der konkreten Anwendung „ChatGPT“ oder „KI-Detektion“ in der jeweiligen Meme-Beschriftung und dem übergeordneten Begriff „GenKI“ auf der Frame- und Diskursebene unterschieden. Diese diskursive Besonderheit sowie die daraus resultierenden Einschränkungen des Beitrags werden in der Diskussion (Kap. 5) reflektiert. Darüber hinaus wurde die Positionierung des Beitrags in der Diskussion (Kap. 5) präzisiert: Der Erkenntnisgewinn wird nun ausdrücklich in der Anwendung etablierter theoretischer und methodischer Zugänge auf einen neuartigen Untersuchungsgegenstand verortet.
Die Analysen werden auf das Framekonzept der kognitiven Linguistik zurückgeführt, wobei besonders auf die Arbeiten von Fillmore (1982) und Ziem (2008) verwiesen wird. Memes werden dementsprechend als „kognitive Artefakte“ eingeführt, „die bestehende Wissensstrukturen in Form von Frames aktivieren und zugleich rekonfigurieren (vgl. Ziem 2008)“ (Z. 45-47) [wobei der Verweis auf Ziem 2008 im Kontext der Meme-Definition nicht passt].
Antwort: Vielen Dank für den Hinweis. Der Verweis auf Ziem (2008) wurde entfernt, da er für die Definition von Memes als kognitive Artefakte nicht geeignet ist. Die theoretische Einbettung des Frame-Begriffs erfolgt in der überarbeiteten Fassung ausschließlich im Methodenkapitel (Kap. 3.1). Sie wird dort im Rahmen der kognitiven Linguistik unter Bezug auf die Frame-Semantik nach Fillmore (1982) sowie auf einschlägige Arbeiten zur kognitiven und sozialen Fundierung des Frame-Konzepts konsistent dargestellt.
Übergeordnetes „Ziel der Studie ist es, herauszuarbeiten, wie KI-gestützte Wissenspraktiken im Meme-Diskursstrang gerahmt und bewertet werden.“ (Z. 75-77) Von einem Meme-Diskursstrang auszugehen, erscheint mir dabei nicht passend, da in Memes ganz unterschiedliche Diskurse verhandelt werden. Vermutlich ist der KI-Diskurs im Kontext der Hochschulbildung gemeint, das müsste aber klarer formuliert werden.
Antwort: Die Formulierung wurde überarbeitet und präzisiert. In der überarbeiteten Fassung wird nicht mehr von einem „Meme-Diskursstrang“ ausgegangen. Stattdessen wird der Analyse zugrunde gelegt, dass sich der GenKI-Diskurs im Kontext der Hochschulbildung in den untersuchten Memes manifestiert und dort verhandelt wird.
In der Studie soll dabei zwischen zwei Akteursgruppen unterschieden werden: Studierenden und Lehrenden.
Antwort: Vielen Dank für diesen Hinweis. Die Unterscheidung zwischen Studierenden und Lehrenden bildete bereits die konzeptionelle Grundlage der Analyse, wurde in der Einleitung jedoch nicht ausreichend explizit gemacht. Dies wurde entsprechend überarbeitet, sodass die beiden Akteursgruppen nun klarer eingeführt und als analytischer Ausgangspunkt ausgewiesen werden. Im Methodenteil (Kap. 3.3) wird zudem erläutert, dass einzelne Memes nicht ausschließlich einer Akteursgruppe zugeordnet werden können, sondern auch deren Verhältnis thematisieren.
„Leitende Fragestellungen sind: Welche Wissenspraktiken werden in Memes thematisiert? Wie werden „ChatGPT“, das sprechende bzw. beteiligte Subjekt (z.B. „me“ oder eine bestimmte Gruppe wie „student“) und die Relation, in der sie zueinanderstehen, konstruiert? Welche Einstelllungen der unterschiedlichen Akteursgruppen werden sichtbar?“ (Z. 77-83)
Leider erschließt sich mir aus den Ausführungen nur sehr bedingt, was unter Wissenspraktiken zu verstehen ist. Der Begriff sollte besser eingeführt und hergeleitet werden. Wünschenswert wäre auch, eine explizitere und deutlichere Verknüpfung der konkreten Forschungsfragen.
Antwort: Vielen Dank für Ihre Anmerkung. Der Begriff der Wissenspraktiken wurde in der Einleitung präziser eingeführt und im Forschungsstand (Kap. 2.2) theoretisch hergeleitet. In diesem Zuge wurden die Forschungsfragen leicht überarbeitet und ihre inhaltlichen Zusammenhänge deutlicher herausgearbeitet. Darüber hinaus wird im Methodenteil (Kap. 3.3) die Logik der Kategorisierung explizit erläutert, sodass die Verbindung zwischen Kategorienbildung und Analyse transparenter nachvollziehbar ist.
Als Methode wird die „multimodale Diskursanalyse“ (Z. 84-85) angegeben. Leider wird dabei nicht explizit auf eine Forschungstradition innerhalb der Diskursforschung verwiesen. Ich empfehle, dies nachzuholen.
Antwort: Vielen Dank für Ihren Vorschlag. Die methodische Verortung der multimodalen Diskursanalyse wurde ergänzt und nun explizit innerhalb der kognitivlinguistischen Diskursforschung eingeordnet. Die Begründung, zugrunde liegenden theoretischen Annahmen sowie deren Bedeutung für das methodische Vorgehen werden in Kap. 3.1 ausführlicher erläutert.
Methodisch bleibt der Beitrag in mehreren zentralen Punkten deutlich hinter einer guten Beantwortung der Forschungsfragen zurück. Zwar wird ein dreistufiges Vorgehen aus Datenerhebung, Aufbereitung und Analyse skizziert, die methodischen Entscheidungen werden jedoch nicht ausreichend operationalisiert. Dies betrifft bereits zum Beispiel die Korpuszusammenstellung: Wenn das Material gezielt über thematisch einschlägige Suchbegriffe erhoben wird, ist nur schwer nachvollziehbar, nach welchen Maßstäben später ein erheblicher Teil der Funde wegen „geringer Relevanz“ (Z. 366f) ausgeschlossen wird; ebenso bleibt die behauptete Datensättigung unbegründet, da weder ihr Eintreten noch ihre Kriterien expliziert werden. Insgesamt entsteht dadurch der Eindruck eines stark vorstrukturierten, aber nur unzureichend reflektierten Sampling-Prozesses.
Antwort: Vielen Dank für Ihre Anmerkung. Die Darstellung der Korpuszusammenstellung wurde grundlegend überarbeitet, um die methodischen Entscheidungen transparenter und nachvollziehbarer zu machen. Die Kriterien für die Aufnahme und den Ausschluss von Material wurden nun explizit definiert und im Methodenkapitel (Kap. 3.2) ausgeführt: Es wird erläutert, nach welchen inhaltlichen und formalen Relevanzkriterien Meme-Artefakte in das Korpus aufgenommen bzw. ausgeschlossen wurden. Das Vorgehen zur Datensättigung wurde ebenfalls präzisiert und die Kriterien für das Erreichen der Datensättigung im Kontext der vorliegenden Studie werden nun explizit begründet.
Auch die Auswertung überzeugt methodisch nur begrenzt. Die Zuordnung einzelner Phänomene zu Metapher, Metonymie, Vergleich, Frame oder Einstellungsdimension wirkt an mehreren Stellen eher behauptet als systematisch hergeleitet; insbesondere bleibt oft unklar, woran genau die jeweiligen Kategorien festgemacht werden und wie zwischen Beobachtung und Interpretation unterschieden wird. Dadurch werden Deutungen teilweise überdehnt, etwa wenn aus einzelnen sprachlichen Markern oder visuellen Details relativ weitreichende Schlüsse über Akteursrollen, Haltungen oder Wissenspraktiken gezogen werden. Das betrifft zum Beispiel die Ausführungen zu Beispiel 5 und Beispiel 8. Auch die Zuordnung zu Wissenspraktiken und Frames bleibt weitestgehend unbegründet. Hinzu kommen begriffliche Unschärfen. Zum Beispiel wird nicht immer sauber zwischen ChatGPT und allgemeinen Bewertungen von KI unterschieden.
Antwort: Vielen Dank für Ihre ausführliche und hilfreiche Rückmeldung. Der Methodenteil (Kapitel 3.3) wurde grundlegend überarbeitet, um das analytische Vorgehen transparenter und nachvollziehbarer zu gestalten. Das Vorgehen wird nun als vierstufiger Prozess beschrieben, in dem die geschriebensprachlichen und bildlichen Modalitäten systematisch annotiert und in Beziehung zu Akteuren, Wissenspraktiken und Frames gesetzt werden. Dadurch wird deutlicher, auf welcher beobachtbaren Basis die jeweiligen Kategorienzuweisungen erfolgen.
Beispiel 5 wurde aus Gründen inhaltlicher Redundanz gestrichen. Die Interpretation von Beispiel 8 (Vorlage „Overwatch Mercy“) wurde präzisiert und stärker an das zugrunde liegende Meme-Template rückgebunden, um die Ableitung von Akteursrollen und Haltungen enger am Material zu verankern.
Die Zuordnung zu Wissenspraktiken und Frames wurde durch die explizitere Darstellung des zugrunde liegenden Coding-Schemas (Kap. 3.3) sowie der theoretischen Herleitung (Kap. 2.2) transparenter gemacht. Ergänzend wurden quantitative Übersichten des Korpus aufgenommen, um die qualitativen Interpretationen einzuordnen.
Die begriffliche Unterscheidung zwischen ChatGPT als konkretem Bezugspunkt und seiner metonymischen Verwendung für GenKI wurde bereits in einem anderen Kommentar des Gutachtens behandelt und im überarbeiteten Beitrag konsistent berücksichtigt.
Ich empfehle daher, die Auswahlkriterien, Kategorienbildung, analytische Trennschärfe und Plausibilisierung der Interpretationen deutlich zu präzisieren, damit die Ergebnisse belastbar erscheinen.
Antwort: Vielen Dank für Ihren Vorschlag. Das analytische Vorgehen wurde überarbeitet und detaillierter beschrieben, um die Transparenz der Kategorienbildung und der Interpretationsprozesse zu erhöhen (Kapitel 3.3).
Die analytische Trennschärfe der metaphorischen Figurationen wird nun explizit auf einschlägige Forschungsliteratur gestützt (vgl. Benammar 2023), die im Methodenteil entsprechend verankert wurde. Zudem wurden die Herleitung der Kategorienzuordnungen sowie die Argumentationsschritte in der Ergebnisdarstellung (Kap. 4) klarer ausgearbeitet.
Die Grundargumentation des Beitrags ist in weiten Teilen plausibel aufgebaut und folgt einer klar erkennbaren Logik von konzeptioneller Rahmung, methodischer Fundamentierung (auch wenn diese nur teilweise gelungen ist) sowie Beschreibung und Diskussion der Ergebnisse.
Die qualitativen Analysen der Sprache-Bild-Zusammenhänge sind weitestgehend überzeugend. Sie zeigen anschaulich, wie sich die Bedeutungen von Memes gerade aus dem Zusammenspiel beider Modalitäten entfalten. Gerade dort, wo konkrete Beispiele eng am Material erläutert werden, wirken die Deutungen nachvollziehbar und interpretatorisch tragfähig. An Stringenz verliert der Beitrag allerdings stellenweise dort, wo aus Einzelbeobachtungen relativ weitreichende Schlüsse über Frames, Wissenskonstellationen, Akteurspositionen oder allgemeine Tendenzen des Diskursstrangs gezogen werden, ohne dass die Zwischenschritte der Argumentation immer hinreichend expliziert werden. Insgesamt ist die Argumentation somit überzeugend angelegt und materialnah entwickelt, müsste aber noch begrifflich geschärft und in ihren Generalisierungen stärker abgesichert werden.
Antwort: Vielen Dank für Ihren Kommentar. Die Argumentationsstruktur wurde an mehreren Stellen überarbeitet und die einzelnen Interpretationsschritte expliziter dargestellt.
Insbesondere wird nun klarer ausgewiesen, auf welcher beobachtbaren Grundlage (geschriebensprachlicher und bildlicher Modalität) die jeweiligen Kategorienzuordnungen zu Frames und Wissenspraktiken erfolgen. Darüber hinaus wurde die Auswahl der Beispiele im Zuge der Überarbeitung überprüft und im Hinblick auf eine ausgewogenere Abdeckung des Gesamtkorpus angepasst. Passagen mit engerer Materialbindung, insbesondere durch die Identifikation zugrundeliegender Meme-Vorlagen, wurden dabei berücksichtigt.
Ich empfehle außerdem, den verwendeten Textbegriff zu reflektieren und nachzuschärfen. Text wird hier implizit mit geschriebener Sprache geleichgesetzt, wobei es aus meiner Sicht sinnvoll wäre, die multimodale Meme-Adaption bzw. das singuläre Meme-Artefakt als Bestandteil des Korpus als multimodalen Text zu fassen. Die sprachlichen Elemente sollten auch als solche in ihrer geschriebensprachlichen Modalität benannt werden.
Antwort: Vielen Dank für diese Anregung. Der verwendete Textbegriff wurde in der überarbeiteten Fassung präzisiert. Meme-Artefakte werden in der Analyse konsequent als multimodale Sprache-Bild-Texte gefasst; die sprachlichen Elemente werden nicht mehr ausschließlich als „Text“, sondern präziser als „Beschriftung“ bzw. als geschriebensprachliche Modalität bezeichnet. Die geschriebensprachliche Modalität wird dabei im Rahmen des Conceptual Blendings als Bestandteil des textuellen Input-Space verstanden.
Des Weiteren rege ich an, die Verwendung des Meme-Begriffs stärker zu reflektieren. Memes zeichnen sich durch Imitations- und Adaptionsprozesse aus; besprochen werden in dem Beitrag aber immer nur einzelne Adaptionen oder Artefakte.
Antwort: Vielen Dank für diesen wichtigen Hinweis. In der überarbeiteten Fassung wird zwischen dem Meme als Artefakt und Memeing als kommunikativer Praktik unterschieden. Der imitations- und adaptionsbezogene Charakter von Memes wird dabei insofern berücksichtigt, als die jeweilige Vorlage der untersuchten Meme-Artefakte, soweit identifizierbar, in der Analyse benannt wird, sondern im Zusammenhang ihrer Adaptionsprozesse betrachtet werden.
Zugleich wird in der Diskussion (Kap. 5) darauf hingewiesen, dass die vorliegende Studie einzelne Meme-Artefakte zu einem gemeinsamen Thema untersucht, jedoch keine diachrone Rekonstruktion von Adaptionsketten über mehrere Meme-Generationen hinweg vornimmt. Diese methodische Beschränkung wird als Limitation ausgewiesen und zugleich als möglicher Ansatzpunkt für zukünftige Forschung benannt.
Beitragsstruktur und sprachliche Form
Die Struktur des Beitrags ist für eine empirische Analyse angemessen. Die sprachliche Form muss stellenweise stark überarbeitet werden. Der Beitrag enthält viele stilistische Unsauberkeiten und grammatische Fehler.
Antwort: Vielen Dank für diesen Hinweis. Der Beitrag wird sprachlich vollständig überarbeitet; stilistische Unsauberkeiten und grammatische Fehler werden durch eine muttersprachliche Überarbeitung korrigiert.
Ich danke Ihnen nochmals herzlich für Ihre sorgfältige Begutachtung und die wertvollen Hinweise und Anregungen, die zur Überarbeitung des Beitrags beigetragen haben.
Mit freundlichen Grüßen
Minyue Wu
Rückmeldung des Gutachters Lars Bülow auf die Überarbeitung:
Sehr geehrte Frau Wu,
vielen Dank für die Überarbeitung Ihres Beitrags. Die neue Fassung zeigt aus meiner Sicht deutlich, dass Sie sich intensiv mit den Rückmeldungen aus der ersten Begutachtungsrunde auseinandergesetzt haben. An mehreren zentralen Stellen ist der Beitrag jetzt argumentativ klarer und methodisch transparenter. Besonders positiv finde ich, dass die konzeptionelle Grundlegung nun deutlich besser nachvollziehbar ist. Der Begriff der Wissenspraktiken wird früher eingeführt und konkreter bestimmt. Auch die Unterscheidung zwischen dem einzelnen Meme-Artefakt und Memeing als kommunikativer Praktik ist jetzt wesentlich klarer. Ebenso wurde die Korpusbildung ausführlicher beschrieben, und die Kriterien für Datensättigung und Ausschlüsse sind transparenter geworden. Schließlich ist die Reichweite der Aussagen deutlich besser kalibriert: Die neue Fassung unterscheidet nun wesentlich konsequenter zwischen Positionen, die in den Memes konstruiert bzw. bestimmten Akteursgruppen zugeschrieben werden, und tatsächlichen Einstellungen realer Studierender und Lehrender. Diese Präzisierung halte ich für sehr wichtig.
Trotz dieser deutlichen Verbesserungen sehe ich noch einige Punkte, die vor einer Publikation überarbeitet werden müssen.
ChatGPT, GenKI und KI
Ein Problem, das aus meiner Sicht noch nicht vollständig gelöst ist, betrifft die Unterscheidung zwischen ChatGPT, GenKI und KI. Die neue Fassung macht die eigene Vorgehensweise zwar transparenter: In der Analyse einzelner Meme-Artefakte soll jeweils die tatsächlich verwendete Bezeichnung – also etwa „ChatGPT“, „AI“ oder „KI“ – beibehalten werden, während auf einer abstrahierenden Frame- und Diskursebene grundsätzlich von „GenKI“ gesprochen wird.
Ich frage mich allerdings, ob diese Lösung analytisch wirklich ausreicht. Wenn ein Meme ausdrücklich „AI“ sagt, ein anderes „ChatGPT“ und ein drittes möglicherweise allgemein „KI“ thematisiert, handelt es sich zunächst einmal um unterschiedliche Referenzierungen. Dass diese Unterscheidung im Material selbst oft unscharf ist, kann durchaus ein interessanter Befund sein. Für die wissenschaftliche Analyse wäre aber genauer zu begründen, weshalb diese unterschiedlichen Referenzen auf einer höheren Ebene ohne Weiteres unter „GenKI“ zusammengeführt werden können. Oder lässt sich argumentieren, dass „ChatGPT“ in Teilen des Diskurses möglicherweise als eine Art pars pro toto für generative KI fungiert. Das wäre aus meiner Sicht interessanter, als die terminologische Unschärfe des Materials auf der Abstraktionsebene einfach aufzulösen.
Ein weiterer Punkt betrifft die wiederholte Bezeichnung von ChatGPT als „Akteur“. Hier scheint mir noch nicht ganz klar zu sein, ob „Akteur“ eine analytische Kategorie der Studie ist oder ob die Analyse zeigen möchte, dass ChatGPT in bestimmten Memes als Akteur konstruiert bzw. agentiviert wird. Das ist m.E. ein wichtiger Unterschied.
Studierende und Lehrende sind soziale Akteure. ChatGPT ist zunächst eine technische Anwendung bzw. ein Werkzeug. Es kann aber natürlich in einem Meme personifiziert und mit Handlungsmacht ausgestattet werden, etwa wenn es als Gesprächspartner, Roboter, helfende Figur oder sogar als rettende Instanz erscheint. In solchen Fällen wäre die Konstruktion von ChatGPT als Akteur selbst ein interessanter Analysebefund.
An anderen Stellen funktioniert ChatGPT dagegen eher eindeutig als Mittel oder Werkzeug. Gerade die Formulierung, ChatGPT schwanke in seiner Funktion zwischen „Unterstützung“ und „Täuschungsmittel“, macht das deutlich: Ein Täuschungsmittel ist keine Akteursrolle, sondern eine instrumentelle Funktion. Ich würde deshalb empfehlen, hier konsequenter zu unterscheiden zwischen ChatGPT bzw. GenKI als Werkzeug, ChatGPT bzw. GenKI als im Meme agentivierter oder personifizierter Instanz und den menschlichen Akteursrollen Studierende und Lehrende. Gerade die Frage, wann und mit welchen sprachlichen bzw. visuellen Mitteln eine technische Anwendung im Meme zu einem handelnden Akteur gemacht wird, könnte meines Erachtens sogar einen interessanten zusätzlichen Ertrag der Analyse darstellen.
Forschungsdesign und Korpusbildung
Das Forschungsdesign ist gegenüber der vorherigen Version deutlich verbessert worden. Insbesondere die Datensättigung ist nun nachvollziehbarer beschrieben. Es wird erklärt, dass die Erhebung nach drei Recherchezyklen beendet wurde und dass Sättigung dann angenommen wurde, wenn neu erhobene Memes keine zusätzlichen Themen, Frames oder multimodalen Muster mehr erkennen ließen. Auch die Ausschlusskriterien sind jetzt wesentlich konkreter. Statt nur allgemein von „geringer Relevanz“ zu sprechen, wird nun erläutert, weshalb einzelne Memes ausgeschlossen wurden. Die Formulierungen dazu bleiben allerdings unklar. Dozierende sind doch Forcher*innen, warum wurden Memes mit Forscher*innen-Bezug aussortiert?
Analytisches Vorgehen
Auch das analytische Vorgehen ist jetzt wesentlich transparenter. Die Unterscheidung zwischen geschriebensprachlicher Ebene, deskriptiver Bildebene, Sprache-Bild-Relation und anschließender Frame-Synthese macht besser nachvollziehbar, wie die Analyse von der Beobachtung zur Interpretation gelangt. Auch die zusätzlichen Hinweise auf mehrere Kodierungszyklen sind hilfreich. Statt von textuellen Input-Spaces sollte konsequenterweise von sprachlichen Input-Spaces geschrieben werden.
Sprachliche Verknüpfungen in Kapitel 1 und 2
Sprachlich ist die neue Fassung ebenfalls besser geworden. Dennoch gibt es vor allem in den ersten beiden Kapiteln weiterhin einige Stellen, an denen mir die logischen Beziehungen zwischen den Sätzen nicht ganz klar werden. Die Kapitel 1 und 2 sollten noch einmal gezielt auf argumentative Stringenz überprüft werden. Auffällig ist insbesondere die Verwendung von Subjunktionen und Konnektoren wie da, während oder wobei. Teilweise scheinen diese Ausdrücke eher dazu zu dienen, Sätze formal miteinander zu verbinden, obwohl die semantische Beziehung zwischen den Aussagen noch nicht ausreichend geklärt ist. Ein Beispiel findet sich bereits in der Einleitung: „Da digitale Kommunikation jedoch generell durch den Einsatz multimodaler Ressourcen geprägt ist […], greift eine rein textbasierte Betrachtung zu kurz.“
Ich verstehe, worauf die Argumentation hinauslaufen soll. Der kausale Zusammenhang ist mir aber etwas zu stark formuliert. Aus der Tatsache, dass digitale Kommunikation häufig multimodal ist, folgt nicht automatisch, dass jede Untersuchung eines digitalen Diskurses multimodal durchgeführt werden muss. Für die vorliegende Studie wäre die Argumentation überzeugender, wenn sie stärker an den konkreten Gegenstand gebunden würde: Gerade weil Internet-Memes ihre Bedeutung wesentlich über das Zusammenspiel verschiedener Modalitäten erzeugen, ist eine rein sprachliche Analyse für diesen Gegenstand nicht ausreichend.
Noch deutlicher wird das Problem wenige Absätze später: „Da Memes als Artefakte und Memeing als Praktik an der kollektiven Aushandlung von Positionen im GenKI-Diskurs sozialer Medien beteiligt sind, ist die Studie in der multimodalen Diskursanalyse verortet.“ Hier erschließt sich mir das da nicht ganz. Dass Memeing Teil diskursiver Aushandlung ist, begründet zunächst einmal den diskursanalytischen Zugriff. Dass es sich um Sprache-Bild-Texte handelt, begründet dagegen den multimodalen Zugriff. Beides lässt sich gut argumentieren, sollte aber meiner Meinung nach in zwei Schritten erfolgen.
Ein weiteres Beispiel ist: „Während die Beschriftungen semantische Frames eröffnen und Stances artikulieren, liefert die bildliche Modalität das Szenario …“ Die Formulierung erzeugt eine recht klare Arbeitsteilung: Sprache ist für Frames und Stances zuständig, das Bild für das Szenario. Genau diese Trennung erscheint mir für eine multimodale Analyse aber etwas zu schematisch. Auch Bilder können Frames und Bewertungen aktivieren, und auch Sprache kann ein Szenario konstituieren. Hier wäre eine offenere Formulierung sinnvoll.
In Kapitel 2 fällt besonders folgende Konstruktion auf: „Während Papapicco und Mininni […] Internet-Memes demgegenüber primär als Artefakte im Kontext studentischer Lebenswelten untersuchen und zeigen, dass Humor häufig durch Imitation etablierter visueller und geschriebensprachlicher Muster erzeugt wird; arbeiten sie zugleich heraus, dass Memes dabei unterschiedliche emotionale Zustände […] artikulieren.“ Diese Passage würde ich vollständig umformulieren. Zum einen ist die Konstruktion mit „während“ und Semikolon syntaktisch schwierig. Zum anderen sehe ich hier keinen wirklichen Gegensatz, der mit „während“ ausgedrückt werden müsste. Offenbar sollen einfach zwei Ergebnisse derselben Studie genannt werden. Dann wäre eine einfache koordinierende Formulierung verständlicher.
Ähnlich verhält es sich in Abschnitt 2.2 mit: „Sie werden dabei zunehmend technisch unterstützt und teilweise automatisiert, wobei von den beteiligten Akteur_innen ein hohes Maß an digitaler Kompetenz und reflexivem Handlungsvermögen gefordert wird.“
Auch hier bleibt mir die Funktion von wobei etwas unklar. Wird behauptet, dass technische Unterstützung automatisch höhere digitale Kompetenz erforderlich macht? Oder handelt es sich um eine Forderung aus der zitierten Forschung? Letzteres scheint der folgende Satz nahezulegen. Dann sollte diese Zuschreibung besser direkt erfolgen.
Am Ende von Kapitel 2 findet sich schließlich: „Da Internet-Memes, wie in Abschnitt 2.1 dargelegt, eine kollektive, niederschwellige Aushandlung von kontroversen Themen ermöglichen, bilden diese Befunde den thematischen Referenzrahmen für die Analyse Meme-basierter Wissenspraktiken im vorliegenden Beitrag.“ Auch hier ist mir die Kausalität nicht ganz klar. Mit „diese Befunde“ sind offenbar die zuvor referierten Ergebnisse von Li et al. gemeint. Diese können durchaus einen inhaltlichen Referenzrahmen darstellen. Dass Memes an diskursiven Aushandlungen beteiligt sind, begründet dagegen eher die Wahl des Untersuchungsmaterials. Ich würde diese beiden Argumente voneinander trennen.
Zusammenfassende Bewertung
Insgesamt halte ich die überarbeitete Fassung für einen deutlichen Fortschritt. Die wichtigsten Kritikpunkte aus der ersten Begutachtungsrunde wurden ernst genommen und zu großen Teilen überzeugend bearbeitet. Die verbleibenden Probleme erscheinen mir inzwischen weniger als grundlegende Schwächen des Forschungsdesigns, sondern vor allem als Fragen der begrifflichen und analytischen Konsequenz. Vor einer Publikation sollten m.E. noch folgende Punkte überarbeitet werden:
die Relation zwischen ChatGPT, GenKI und KI klarer bestimmen und begründen, wann eine Abstraktion von einer Ebene auf die andere zulässig ist;
deutlicher unterscheiden, wann ChatGPT als Werkzeug erscheint und wann es im Meme tatsächlich als Akteur konstruiert bzw. agentiviert wird;
und die sprachlich-logischen Verknüpfungen, vor allem in Kapitel 1 und 2, noch einmal gründlich überarbeiten.
Wenn diese Punkte berücksichtigt werden, halte ich den Beitrag für deutlich näher an einer publikationsreifen Fassung als noch in der ersten Begutachtungsrunde.
Abschließendes Urteil: minor revisions.
Mit den besten Grüßen
Lars Bülow
Sehr geehrter Herr Bülow,
herzlichen Dank für Ihr sorgfältiges Gutachten und die hilfreichen Vorschläge. Ich habe mich gefreut, dass die vorherigen Überarbeitungen den Text verbessert haben. Nachfolgend gehe ich auf Ihre Anmerkungen im Einzelnen ein.
1. ChatGPT, GenKI und KIEin Problem, das aus meiner Sicht noch nicht vollständig gelöst ist, betrifft die Unterscheidung zwischen ChatGPT, GenKI und KI. Die neue Fassung macht die eigene Vorgehensweise zwar transparenter: In der Analyse einzelner Meme-Artefakte soll jeweils die tatsächlich verwendete Bezeichnung – also etwa „ChatGPT“, „AI“ oder „KI“ – beibehalten werden, während auf einer abstrahierenden Frame- und Diskursebene grundsätzlich von „GenKI“ gesprochen wird.Ich frage mich allerdings, ob diese Lösung analytisch wirklich ausreicht. Wenn ein Meme ausdrücklich „AI“ sagt, ein anderes „ChatGPT“ und ein drittes möglicherweise allgemein „KI“ thematisiert, handelt es sich zunächst einmal um unterschiedliche Referenzierungen. Dass diese Unterscheidung im Material selbst oft unscharf ist, kann durchaus ein interessanter Befund sein. Für die wissenschaftliche Analyse wäre aber genauer zu begründen, weshalb diese unterschiedlichen Referenzen auf einer höheren Ebene ohne Weiteres unter „GenKI“ zusammengeführt werden können. Oder lässt sich argumentieren, dass „ChatGPT“ in Teilen des Diskurses möglicherweise als eine Art pars pro toto für generative KI fungiert. Das wäre aus meiner Sicht interessanter, als die terminologische Unschärfe des Materials auf der Abstraktionsebene einfach aufzulösen.
Antwort: Vielen Dank für die Problematisierung und die hilfreiche Anregung. Sie haben Recht, dass die unterschiedlichen Referenzierungen nicht lediglich auf der Abstraktionsebene terminologisch vereinheitlicht werden sollten. Ich habe die entsprechende Passage in Fußnote 1 daher überarbeitet und die begriffliche Unschärfe selbst stärker als diskursiven Befund gefasst: Insbesondere fungiert „ChatGPT“ im Untersuchungszeitraum vielfach als pars pro toto und damit metonymisch für generative KI-Technologien bzw. -Tools insgesamt. Umgekehrt werden die allgemeineren Bezeichnungen „AI“ bzw. „KI“ im untersuchten Kontext in einem auf generative KI verengten Sinne verwendet. Diese kontextabhängige Überlagerung begründet, weshalb auf der abstrahierenden Frame- und Diskursebene „GenKI“ als analytischer Oberbegriff verwendet wird.
Diese Beobachtung steht auch in Zusammenhang mit der in Z. 337 erläuterten Suchstrategie: Die Verwendung von „ChatGPT“ als Suchbegriff anstelle von „GenKI“ trägt seiner damaligen diskursiven Salienz und seiner pars-pro-toto-Funktion Rechnung (Z. 347-352).
2.Ein weiterer Punkt betrifft die wiederholte Bezeichnung von ChatGPT als „Akteur“. Hier scheint mir noch nicht ganz klar zu sein, ob „Akteur“ eine analytische Kategorie der Studie ist oder ob die Analyse zeigen möchte, dass ChatGPT in bestimmten Memes als Akteur konstruiert bzw. agentiviert wird. Das ist m.E. ein wichtiger Unterschied.Studierende und Lehrende sind soziale Akteure. ChatGPT ist zunächst eine technische Anwendung bzw. ein Werkzeug. Es kann aber natürlich in einem Meme personifiziert und mit Handlungsmacht ausgestattet werden, etwa wenn es als Gesprächspartner, Roboter, helfende Figur oder sogar als rettende Instanz erscheint. In solchen Fällen wäre die Konstruktion von ChatGPT als Akteur selbst ein interessanter Analysebefund.An anderen Stellen funktioniert ChatGPT dagegen eher eindeutig als Mittel oder Werkzeug. Gerade die Formulierung, ChatGPT schwanke in seiner Funktion zwischen „Unterstützung“ und „Täuschungsmittel“, macht das deutlich: Ein Täuschungsmittel ist keine Akteursrolle, sondern eine instrumentelle Funktion. Ich würde deshalb empfehlen, hier konsequenter zu unterscheiden zwischen ChatGPT bzw. GenKI als Werkzeug, ChatGPT bzw. GenKI als im Meme agentivierter oder personifizierter Instanz und den menschlichen Akteursrollen Studierende und Lehrende. Gerade die Frage, wann und mit welchen sprachlichen bzw. visuellen Mitteln eine technische Anwendung im Meme zu einem handelnden Akteur gemacht wird, könnte meines Erachtens sogar einen interessanten zusätzlichen Ertrag der Analyse darstellen.
Antwort: Vielen Dank für diesen wichtigen Hinweis. Die bisherige Verwendung von „Akteur“ war tatsächlich nicht hinreichend trennscharf. Ich werde mein Korpus unter diesem Gesichtspunkt systematisch überprüfen und die entsprechenden Stellen in der Analyse präzisieren. Die Frage, wann und mit welchen sprachlichen bzw. visuellen Mitteln eine technische Anwendung als handelnde Instanz in Memes konstruiert wird, werde ich zudem in der Diskussion aufgreifen.
3. Forschungsdesign und KorpusbildungDas Forschungsdesign ist gegenüber der vorherigen Version deutlich verbessert worden. Insbesondere die Datensättigung ist nun nachvollziehbarer beschrieben. Es wird erklärt, dass die Erhebung nach drei Recherchezyklen beendet wurde und dass Sättigung dann angenommen wurde, wenn neu erhobene Memes keine zusätzlichen Themen, Frames oder multimodalen Muster mehr erkennen ließen. Auch die Ausschlusskriterien sind jetzt wesentlich konkreter. Statt nur allgemein von „geringer Relevanz“ zu sprechen, wird nun erläutert, weshalb einzelne Memes ausgeschlossen wurden. Die Formulierungen dazu bleiben allerdings unklar. Dozierende sind doch Forcher*innen, warum wurden Memes mit Forscher*innen-Bezug aussortiert?
Antwort: Vielen Dank für diesen wichtigen Hinweis. Die bisherige Formulierung war hier missverständlich. Dozierende können selbstverständlich zugleich Forschende sein. Der Ausschluss bezog sich nicht auf Forschende als Personengruppe, sondern auf den dargestellten Handlungskontext. Denn in diesem Beitrag werden GenKI-gestützte Wissenspraktiken im hochschulischen Lehr- und Lernkontext eingebettet, wie in der Einleitung expliziert wird. Deshalb wurden ausgeschlossen entsprechend Memes, die sich ausschließlich auf individuelle Forschungspraktiken ohne erkennbaren Lehr- oder Lernbezug beziehen. Diese Eingrenzung wird im Forschungsdesign (Z. 389-392) präzisiert und zur terminologischen Konsistenz auch im Titel sowie an entsprechenden Stellen (z.B., Z. 97) im Beitrag explizit gemacht.
4. Sprachliche Verknüpfungen in Kapitel 1 und 2Sprachlich ist die neue Fassung ebenfalls besser geworden. Dennoch gibt es vor allem in den ersten beiden Kapiteln weiterhin einige Stellen, an denen mir die logischen Beziehungen zwischen den Sätzen nicht ganz klar werden. Die Kapitel 1 und 2 sollten noch einmal gezielt auf argumentative Stringenz überprüft werden. Auffällig ist insbesondere die Verwendung von Subjunktionen und Konnektoren wie da, während oder wobei. Teilweise scheinen diese Ausdrücke eher dazu zu dienen, Sätze formal miteinander zu verbinden, obwohl die semantische Beziehung zwischen den Aussagen noch nicht ausreichend geklärt ist.
Antwort: Vielen Dank für Ihre hilfreichen Erklärungen und die wichtigen Hinweise! Ich werde den gesamten Text gezielt auf die sprachlich-logischen Beziehungen zwischen den Aussagen, insbesondere auf die verwendeten Subjunktionen und Konnektoren, überprüfen. Ein detailliertes Überarbeitungsprotokoll mit den jeweils vorgenommenen Änderungen und entsprechenden Stellenangaben werde ich zusammen mit dem überarbeiteten Manuskript einreichen.
– Ein Beispiel findet sich bereits in der Einleitung: „Da digitale Kommunikation jedoch generell durch den Einsatz multimodaler Ressourcen geprägt ist […], greift eine rein textbasierte Betrachtung zu kurz.“Ich verstehe, worauf die Argumentation hinauslaufen soll. Der kausale Zusammenhang ist mir aber etwas zu stark formuliert. Aus der Tatsache, dass digitale Kommunikation häufig multimodal ist, folgt nicht automatisch, dass jede Untersuchung eines digitalen Diskurses multimodal durchgeführt werden muss. Für die vorliegende Studie wäre die Argumentation überzeugender, wenn sie stärker an den konkreten Gegenstand gebunden würde: Gerade weil Internet-Memes ihre Bedeutung wesentlich über das Zusammenspiel verschiedener Modalitäten erzeugen, ist eine rein sprachliche Analyse für diesen Gegenstand nicht ausreichend.
Antwort: Vielen Dank für diesen hilfreichen Hinweis und den Formulierungsvorschlag. Ich stimme zu, dass die logischen Beziehungen zwischen den Aussagen an einigen Stellen durch die verwendeten Konnektoren zu stark bzw. nicht hinreichend präzise markiert waren. Die von Ihnen angesprochene Passage in der Einleitung wurde dabei stärker an den konkreten Untersuchungsgegenstand der Memes und deren konstitutive Multimodalität gebunden.
– Noch deutlicher wird das Problem wenige Absätze später: „Da Memes als Artefakte und Memeing als Praktik an der kollektiven Aushandlung von Positionen im GenKI-Diskurs sozialer Medien beteiligt sind, ist die Studie in der multimodalen Diskursanalyse verortet.“ Hier erschließt sich mir das da nicht ganz. Dass Memeing Teil diskursiver Aushandlung ist, begründet zunächst einmal den diskursanalytischen Zugriff. Dass es sich um Sprache-Bild-Texte handelt, begründet dagegen den multimodalen Zugriff. Beides lässt sich gut argumentieren, sollte aber meiner Meinung nach in zwei Schritten erfolgen.
Antwort: Vielen Dank für Ihren Vorschlag und den wichtigen Hinweis. Das Argument sollte in zwei Schritten erfolgen und ich habe dementsprechend überarbeitet.
– Ein weiteres Beispiel ist: „Während die Beschriftungen semantische Frames eröffnen und Stances artikulieren, liefert die bildliche Modalität das Szenario …“ Die Formulierung erzeugt eine recht klare Arbeitsteilung: Sprache ist für Frames und Stances zuständig, das Bild für das Szenario. Genau diese Trennung erscheint mir für eine multimodale Analyse aber etwas zu schematisch. Auch Bilder können Frames und Bewertungen aktivieren, und auch Sprache kann ein Szenario konstituieren. Hier wäre eine offenere Formulierung sinnvoll.
Antwort: Vielen Dank für diesen hilfreichen Hinweis. Die bisherige Formulierung legte tatsächlich eine zu schematische funktionale Trennung zwischen sprachlicher und bildlicher Modalität nahe. Die Passage wird in der Überarbeitung offener formuliert.
In Kapitel 2 fällt besonders folgende Konstruktion auf: „Während Papapicco und Mininni […] Internet-Memes demgegenüber primär als Artefakte im Kontext studentischer Lebenswelten untersuchen und zeigen, dass Humor häufig durch Imitation etablierter visueller und geschriebensprachlicher Muster erzeugt wird; arbeiten sie zugleich heraus, dass Memes dabei unterschiedliche emotionale Zustände […] artikulieren.“ Diese Passage würde ich vollständig umformulieren. Zum einen ist die Konstruktion mit „während“ und Semikolon syntaktisch schwierig. Zum anderen sehe ich hier keinen wirklichen Gegensatz, der mit „während“ ausgedrückt werden müsste. Offenbar sollen einfach zwei Ergebnisse derselben Studie genannt werden. Dann wäre eine einfache koordinierende Formulierung verständlicher.
Antwort: Vielen Dank für den Hinweis. Die syntaktisch unnötig komplexe Konstruktion wird in der Überarbeitung aufgelöst und die beiden Befunde der Studie nun als koordinierte Aussagen formuliert.
– Ähnlich verhält es sich in Abschnitt 2.2 mit: „Sie werden dabei zunehmend technisch unterstützt und teilweise automatisiert, wobei von den beteiligten Akteur_innen ein hohes Maß an digitaler Kompetenz und reflexivem Handlungsvermögen gefordert wird.“Auch hier bleibt mir die Funktion von wobei etwas unklar. Wird behauptet, dass technische Unterstützung automatisch höhere digitale Kompetenz erforderlich macht? Oder handelt es sich um eine Forderung aus der zitierten Forschung? Letzteres scheint der folgende Satz nahezulegen. Dann sollte diese Zuschreibung besser direkt erfolgen.
Antwort: Vielen Dank für den Hinweis. Die Formulierung mit „wobei“ ließ das Verhältnis zwischen technischer Unterstützung und Kompetenzanforderungen tatsächlich unnötig kausal erscheinen und zugleich offen, wem diese Einschätzung zuzuschreiben ist. Die Passage wird gestrafft, indem im Text die Kompetenzanforderungen unmittelbar an die zitierte Forschung zu KI-Literacy angebunden wird.
– Am Ende von Kapitel 2 findet sich schließlich: „Da Internet-Memes, wie in Abschnitt 2.1 dargelegt, eine kollektive, niederschwellige Aushandlung von kontroversen Themen ermöglichen, bilden diese Befunde den thematischen Referenzrahmen für die Analyse Meme-basierter Wissenspraktiken im vorliegenden Beitrag.“ Auch hier ist mir die Kausalität nicht ganz klar. Mit „diese Befunde“ sind offenbar die zuvor referierten Ergebnisse von Li et al. gemeint. Diese können durchaus einen inhaltlichen Referenzrahmen darstellen. Dass Memes an diskursiven Aushandlungen beteiligt sind, begründet dagegen eher die Wahl des Untersuchungsmaterials. Ich würde diese beiden Argumente voneinander trennen.
Antwort: Vielen Dank für den Hinweis. Die beiden Argumentationsschritte werden in der Überarbeitung entsprechend getrennt. Ähnliche argumentative Verknüpfungen werde ich auch an anderen Stellen des Beitrags überprüfen und gegebenenfalls präzisieren.
Vielen Dank noch einmal für Ihr hilfreiches Gutachten und die Kommentare. Ich werde die Überarbeitungszeit nutzen, um die sprachlich-logischen Verknüpfungen gründlich zu überarbeiten und um die Unterscheidung zwischen ChatGPT/GenKI als Werkzeug und als im Meme agentivierter bzw. personifizierter Instanz klarer herauszuarbeiten.
Mit freundlichen Grüßen
Minyue Wu