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Blogstract zu
ChatGPT and Me. Eine multimodale Diskursanalyse von Memes über KI-gestützte Wissenspraktiken in der Hochschulbildung
von Minyue Wu
ChatGPT and Me – Eine Meme-Analyse der 115 Internet-Memes über KI an der Uni
Generative Künstliche Intelligenz (GenKI) wie ChatGPT gewinnt zunehmend an Aufmerksamkeit und wird in verschiedenen gesellschaftlichen Kontexten diskutiert und eingesetzt. Besonders intensiv wird der Einsatz im Bildungsbereich thematisiert. Wer beteiligt sich an die Diskussion? Wie prägt ChatGPT den Studienalltag? Und wie wird der durch GenKI geprägte Studienalltag wahrgenommen? Die vorliegende Studie gibt einen Einblick in die Fragestellungen, indem der spezifischen Meme-Diskurs anhand von 115 Internet-Memes analysiert wurde.
Internet-Meme als Zugang: Warum die Internetkultur ernst genommen werden sollte
Memes sind längst mehr als nur lustige und sinnlose Bilder, die schnell im Internet verbreitet werden. Bereits haben zahlreiche Studien belegt, dass Memes gesellschaftliche Diskurse widerspiegeln und auf humorvolle Weise Meinungen und Haltungen bzw. Identitäten zum Ausdruck bringen. Die Arbeit betrachtet die digitale Kommunikationsform als Forschungsmaterialien, die Zugang verschaffen, wie der GenKI gestützte Studienalltag im Internet thematisiert wird.
Rollen formen Perspektiven
Die Analyse zeigt auf, dass ChatGPT Studium auf vielfältige Weise beeinflusst: Wie die Studierenden Lektüren lesen, wie sie die Hausarbeiten schreiben, wie sie lernen oder recherchieren.
Die Einstellungen zur Nutzung von ChatGPT variieren dabei je nach Rolle: Studierende bzw. Doktorand:innen sind oft begeistert von den Leistungen der KI und sie als ein Tool anerkannt, das bei verschiedenen Aktivitäten im Studium hilft. Die Memes spiegeln in vielen Fällen Erleichterung und Vertrauen gegenüber ChatGPT wider. Im Vergleich dazu vertreten Lehrende bzw. Gutachter:innen eine ablehnende Haltung bzw. Nutzungsverbot zu ChatGPT und fragen kritisch im Hinblick auf die akademische Integrität und den Kompetenzverlust bei den Studierenden nach. Dazu werden Maßnahmen zur Prävention in Memes dargestellt, etwa KI-Detektoren oder der Einsatz analoger Prüfungsformate.
Studien- und Wissenskultur in KI-Ära
KI verändert nicht nur, wie Wissen produziert und vermittelt wird, sondern auch, wie es legitimiert wird. Die traditionellen Rollen von Lehrenden und Lernenden werden durch die Integration von KI im Lehren und Lernen herausgefordert. Ergebnisse weisen auf die Notwendigkeit hin, Kompetenz zum Umgang mit KI zu entwickeln und vertieft über das Lehr-Lern-Verhältnis, die automatisierten Wissenspraktiken und den Kompetenzverlust zu diskutieren und zu reflektieren.
Reflexion der Studie: Memes als Forschungsdaten?
Die Studie belegt, dass Internet-Memes als Daten zur Diskursanalyse geeignet sind. Sie bieten umfassende Einblicke in gesellschaftliche Debatten und können Stimmungen aus vielschichtigen Perspektiven einfangen, die in formellen Befragungen möglicherweise nicht so deutlich würden. Allerdings sind auch Einschränkungen zu beachten: Memes transportieren oft oberflächliche oder polarisierte Meinungen, und ihre bildlichen Elemente sind häufig mehrdeutig. Für zukünftige Forschung ist es daher sinnvoll, weitere Textsorten und Datenquellen einzubeziehen.

Gutachten zu
Minyue Wu
Chat GPT and Me. Eine multimodale Diskursanalyse von Memes über KI-gestützte Wissenspraktiken in der Hochschulbildung
Begutachtet durch Andreas Osterroth
Empfehlung: Annahme mit Überarbeitungen (minor revisions)
Der Beitrag behandelt ein aktuelles und interessantes Thema, das gut zur jmfl passt. Die Verbindung von Internet-Memes, generativer KI und hochschulischen Wissenspraktiken ist innovativ und kann interessante, neue Erkenntnisse bringen. Die Theorie ist gut aufgearbeitet und der Beitrag wirkt von Anfang bis Ende durchdacht und plausibel. In der aktuellen Fassung ist er allerdings noch nicht ganz publikationsreif.
Zunächst einmal sollte begrifflich nachgeschärft werden, da Memes an verschiedenen Stellen ganz unterschiedlich verstanden werden. Einmal als Artefakte, dann als Kommunikationsformen und zudem als diskursive Praktiken. Diese Ebenen sollten sinnvoll getrennt werden. So kann man Memes als (Sprache-Bild-)Texte verstehen und Memeing/Memen als Praktik. Dies würde die Analyse und auch die Beschreibung der Beispiele erleichtern.
Weiter würde der Methodenteil von einigen Ergänzungen und Klarstellungen profitieren. So wäre es wichtig zu wissen, inwiefern die ausgewählten Beispiele das Gesamtkorpus repräsentieren. Hier wäre es hilfreich, wenn eine quantitative Übersicht gegeben werden würde. Auf diese kann sich der Text dann auch beziehen. Momentan steht oft, dass bestimmte Memes “häufig” vorkommen, Lesende wissen allerdings nicht, was das genau bedeutet. Eine kurze Übersicht würde die Argumentation deutlich stützen.
Eine weitere Ergänzung betrifft die Bildquellen. Es ist zwar korrekt, dass die tatsächlich Urhebenden nicht ermittelt werden können, dennoch sollte aus rechtlicher Sicht für den Verlag unbedingt eine Bildquelle in Form einer aktuellen URL angegeben werden.
Sprachlich gibt es nur kleinere Änderungen, die im Review-Worddokument nachvollziehbar sind. Dort wurden zudem etwas ausführlichere Kommentare untergebracht.
Der Beitrag schwankt zwischen minor und major Revisions, da zwar nur wenige Änderungen notwendig sind, diese aber wichtig erscheinen. Insgesamt würde ich den Beitrag zur Annahme mit minor Revisions empfehlen. Er sollte allerdings keinesfalls ohne die Angabe der Bildquellen veröffentlicht werden und eher nicht ohne die Ergänzung der quantitativen Analyse.
Gutachten zu
Minyue Wu
Chat GPT and Me. Eine multimodale Diskursanalyse von Memes über KI-gestützte Wissenspraktiken in der Hochschulbildung
Begutachtet durch Lars Bülow
Empfehlung: Annahme mit grundlegender Überarbeitungen (mayor revisions)
Sehr geehrte Frau Wu,
mit Interesse habe ich Ihren Beitrag gelesen. Im nachfolgenden Gutachten möchte ich auf einzelne Punkte genauer eingehen.
PASSUNG IN DIE ZEITSCHRIFT
[ja]
Originalität und Innovativität
Der Beitrag greift mit dem Diskurs um KI bzw. ChatGPT im Kontext der Hochschulbildung ein aktuelles und gesellschaftliche relevantes Thema auf. Der Zugriff auf das Thema mittels Memes kann als innovativ gelten, der konzeptionelle und methodische Zugang hingegen nicht.
Der Beitrag schließt an bestehende Forschung an und analysiert Internet-Memes als multimodale Metaphern, Metonymien und Vergleiche. Fokussiert werden Memes, die sich „auf ChatGPT im Kontext der Hochschulbildung beziehen“ (Z. 73f.). Tatsächlich werden aber auch Memes in die Analyse eingebunden, die KI bzw. AI in der Hochschulbildung allgemein adressieren. Die Analysen werden auf das Framekonzept der kognitiven Linguistik zurückgeführt, wobei besonders auf die Arbeiten von Fillmore (1982) und Ziem (2008) verwiesen wird. Memes werden dementsprechend als „kognitive Artefakte“ eingeführt, „die bestehende Wissensstrukturen in Form von Frames aktivieren und zugleich rekonfigurieren (vgl. Ziem 2008)“ (Z. 45-47) [wobei der Verweis auf Ziem 2008 im Kontext der Meme-Definition nicht passt].
Übergeordnetes „Ziel der Studie ist es, herauszuarbeiten, wie KI-gestützte Wissenspraktiken im Meme-Diskursstrang gerahmt und bewertet werden.“ (Z. 75-77) Von einem Meme-Diskursstrang auszugehen, erscheint mir dabei nicht passend, da in Memes ganz unterschiedliche Diskurse verhandelt werden. Vermutlich ist der KI-Diskurs im Kontext der Hochschulbildung gemeint, das müsste aber klarer formuliert werden.
In der Studie soll dabei zwischen zwei Akteursgruppen unterschieden werden: Studierenden und Lehrenden.
„Leitende Fragestellungen sind: Welche Wissenspraktiken werden in Memes thematisiert? Wie werden „ChatGPT“, das sprechende bzw. beteiligte Subjekt (z.B. „me“ oder eine bestimmte Gruppe wie „student“) und die Relation, in der sie zueinanderstehen, konstruiert? Welche Einstelllungen der unterschiedlichen Akteursgruppen werden sichtbar?“ (Z. 77-83)
Leider erschließt sich mir aus den Ausführungen nur sehr bedingt, was unter Wissenspraktiken zu verstehen ist. Der Begriff sollte besser eingeführt und hergeleitet werden. Wünschenswert wäre auch, eine explizitere und deutlichere Verknüpfung der konkreten Forschungsfragen.
Als Methode wird die „multimodale Diskursanalyse“ (Z. 84-85) angegeben. Leider wird dabei nicht explizit auf eine Forschungstradition innerhalb der Diskursforschung verwiesen. Ich empfehle, dies nachzuholen.
Angemessenheit und Umsetzung der Methoden
Methodisch bleibt der Beitrag in mehreren zentralen Punkten deutlich hinter einer guten Beantwortung der Forschungsfragen zurück. Zwar wird ein dreistufiges Vorgehen aus Datenerhebung, Aufbereitung und Analyse skizziert, die methodischen Entscheidungen werden jedoch nicht ausreichend operationalisiert. Dies betrifft bereits zum Beispiel die Korpuszusammenstellung: Wenn das Material gezielt über thematisch einschlägige Suchbegriffe erhoben wird, ist nur schwer nachvollziehbar, nach welchen Maßstäben später ein erheblicher Teil der Funde wegen „geringer Relevanz“ (Z. 366f) ausgeschlossen wird; ebenso bleibt die behauptete Datensättigung unbegründet, da weder ihr Eintreten noch ihre Kriterien expliziert werden. Insgesamt entsteht dadurch der Eindruck eines stark vorstrukturierten, aber nur unzureichend reflektierten Sampling-Prozesses.
Auch die Auswertung überzeugt methodisch nur begrenzt. Die Zuordnung einzelner Phänomene zu Metapher, Metonymie, Vergleich, Frame oder Einstellungsdimension wirkt an mehreren Stellen eher behauptet als systematisch hergeleitet; insbesondere bleibt oft unklar, woran genau die jeweiligen Kategorien festgemacht werden und wie zwischen Beobachtung und Interpretation unterschieden wird. Dadurch werden Deutungen teilweise überdehnt, etwa wenn aus einzelnen sprachlichen Markern oder visuellen Details relativ weitreichende Schlüsse über Akteursrollen, Haltungen oder Wissenspraktiken gezogen werden. Das betrifft zum Beispiel die Ausführungen zu Beispiel 5 und Beispiel 8. Auch die Zuordnung zu Wissenspraktiken und Frames bleibt weitestgehend unbegründet. Hinzu kommen begriffliche Unschärfen. Zum Beispiel wird nicht immer sauber zwischen ChatGPT und allgemeinen Bewertungen von KI unterschieden.
Ich empfehle daher, die Auswahlkriterien, Kategorienbildung, analytische Trennschärfe und Plausibilisierung der Interpretationen deutlich zu präzisieren, damit die Ergebnisse belastbar erscheinen.
Plausibilität und Stringenz der Argumentation
Die Grundargumentation des Beitrags ist in weiten Teilen plausibel aufgebaut und folgt einer klar erkennbaren Logik von konzeptioneller Rahmung, methodischer Fundamentierung (auch wenn diese nur teilweise gelungen ist) sowie Beschreibung und Diskussion der Ergebnisse.
Die qualitativen Analysen der Sprache-Bild-Zusammenhänge sind weitestgehend überzeugend. Sie zeigen anschaulich, wie sich die Bedeutungen von Memes gerade aus dem Zusammenspiel beider Modalitäten entfalten. Gerade dort, wo konkrete Beispiele eng am Material erläutert werden, wirken die Deutungen nachvollziehbar und interpretatorisch tragfähig. An Stringenz verliert der Beitrag allerdings stellenweise dort, wo aus Einzelbeobachtungen relativ weitreichende Schlüsse über Frames, Wissenskonstellationen, Akteurspositionen oder allgemeine Tendenzen des Diskursstrangs gezogen werden, ohne dass die Zwischenschritte der Argumentation immer hinreichend expliziert werden. Insgesamt ist die Argumentation somit überzeugend angelegt und materialnah entwickelt, müsste aber noch begrifflich geschärft und in ihren Generalisierungen stärker abgesichert werden.
Ich empfehle außerdem, den verwendeten Textbegriff zu reflektieren und nachzuschärfen. Text wird hier implizit mit geschriebener Sprache geleichgesetzt, wobei es aus meiner Sicht sinnvoll wäre, die multimodale Meme-Adaption bzw. das singuläre Meme-Artefakt als Bestandteil des Korpus als multimodalen Text zu fassen. Die sprachlichen Elemente sollten auch als solche in ihrer geschriebensprachlichen Modalität benannt werden.
Des Weiteren rege ich an, die Verwendung des Meme-Begriffs stärker zu reflektieren. Memes zeichnen sich durch Imitations- und Adaptionsprozesse aus; besprochen werden in dem Beitrag aber immer nur einzelne Adaptionen oder Artefakte.
Beitragsstruktur und sprachliche Form
Die Struktur des Beitrags ist für eine empirische Analyse angemessen. Die sprachliche Form muss stellenweise stark überarbeitet werden. Der Beitrag enthält viele stilistische Unsauberkeiten und grammatische Fehler.
RESÜMEE
Insgesamt greift der Beitrag ein aktuelles Thema und für die Zeitschrift durchaus passendes Forschungsziel auf. Positiv fallen die qualitativen Analysen der Sprache-Bild-Zusammenhänge auf, die an vielen Stellen nachvollziehbar und interpretatorisch gut begründet sind. Gleichzeitig zeigt sich aber auch, dass der Beitrag in zentralen Punkten noch Überarbeitungsbedarf hat, vor allem bei der konzeptuellen Grundlegung, der begrifflichen Schärfung, der methodischen Ausarbeitung und der Absicherung weitergehender Schlussfolgerungen. Insbesondere die Korpuszusammenstellung, die Herleitung der Kategorien und einige Generalisierungen sollten präziser und transparenter ausgeführt werden. Insgesamt sehe ich im Beitrag also durchaus Potenzial, in der vorliegenden Fassung jedoch noch keine Publikationsreife, sondern eher eine gute Grundlage für eine gründliche Überarbeitung und erneute Einreichung.
ABSCHLIEẞENDES URTEIL
[ ] Beitrag annehmen
[ ] Überarbeitung erforderlich
[x] Erneut zur Begutachtung einreichen
[ ] Anderswo erneut einreichen
[ ] Beitrag ablehnen
[ ] Siehe Kommentare
Mit den besten Grüßen
Ihr Lars Bülow.